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Hilft kognitive Verhaltenstherapie bei Parkinson?

Dass die kognitive Verhaltenstherapie bei diversen Indikationen wirkt, ist bekannt. Doch trifft das auch auf Patienten mit Morbus Parkinson zu, die unter psychischen Symptomen leiden?

Nicht-motorische Symptome bei Parkinson:

  • Die Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln, ist bei Personen mit Parkinson fünf- bis sechsmal höher als bei gesunden älteren Menschen. 
  • Eine leichte kognitive Beeinträchtigung gilt als wichtiger Indikator zur Früherkennung einer Demenz im Rahmen des Morbus Parkinson.
  • Die Häufigkeit von Angststörungen und Depressionen bei Parkinson-Patienten wird auf jeweils rund 30 % geschätzt.
  • Nicht-motorische Symptome wie kognitive Störungen, Angstzustände und Depressionen können die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Ziel der chinesischen Forscher war es, die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) als Behandlungsoption speziell für Menschen mit Morbus Parkinson, die unter nicht-motorischen Symptomen leiden, zu untersuchen. Außerdem wollten sie wissen, ob dadurch die Lebensqualität verbessert wird. Dazu schlossen sie 22 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt rund 1.000 Patienten in eine Metaanalyse ein, die die Auswirkungen der KVT untersuchten. Die Probanden nahmen 3 bis 12 Wochen lang an der Therapie teil. Danach wurden Kognition, Depressionen und Angstsymptome anhand standardisierter Assessment-Instrumente bewertet. Als Effektmaß diente die Mittelwertdifferenz (MD).

Verbesserung von Kognition und Lebensqualität 

Im Vergleich zu anderen Behandlungsoptionen (Placebo, Psychoedukation, körperliches Bewegungstraining, Gesundheitsförderung) hatte die KVT einen signifikanten positiven Effekt auf die Kognition (MD = 0,23, 95% KI: 0,03–0,44, p = 0,03). Auch die Lebensqualität verbesserte sich deutlich (MD = 3,45, 95% KI: 1,13–5,57, p = 0,04). Bei Angst- und Depressionssymptomen war eine signifikante Abnahme zu verzeichnen (Angst: MD = -2,01, 95% KI: -4,01–0,01, p = 0,05; Depression: MD = -3,94, 95% KI: -6,47 bis -1,42, p = 0,04).

Allerdings zeigte sich bei Angst und Depressionen eine große Heterogenität zwischen den Studienergebnissen. Laut den Autoren könnte dies an Unterschieden hinsichtlich Schwere und Dauer der Erkrankung oder auch an der potenziellen Subjektivität der empfundenen Symptome liegen. Außerdem könnten in verschiedenen Ländern und Regionen sowohl das Studiendesign als auch die Rolle der Therapeuten differieren.

KVT könnte Standardtherapie werden

Dennoch sehen die Wissenschaftler bisherige Forschungsergebnisse bestätigt, die darauf hindeuten, dass die kognitive Verhaltenstherapie nicht-motorische Symptome bei Parkinson-Patienten verbessern kann. Daneben haben sich auch verschiedene Achtsamkeitsprogramme als wirksam gezeigt. Wie die Kombination dieser psychotherapeutischen Verfahren zu bewerten ist und welche möglichen Wechselwirkungen es gibt, müssten weitere Studien zeigen. Zudem sei es wichtig, die Wirksamkeit der KVT in verschiedenen Stadien der Erkrankung zu untersuchen.

Derzeit mangelt es noch an großen, randomisierten, prospektiven klinischen Studien zur Wirksamkeit der KVT bei Parkinson-Patienten mit psychischen Problemen. Daher gehört die Methode, obwohl sie seit einigen Jahren zunehmend auch bei diesem speziellen Patientenkollektiv eingesetzt wird, noch nicht zur Standardtherapie. Das könnte sich in Zukunft allerdings ändern. 

Quellen:
  1. Wu X et al. Cognitive behavioral therapy approaches to the improvement of mental health in Parkinson’s disease patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Neurol 24, 352 (2024). https://doi.org/10.1186/s12883-024-03859-x.