DiGAs: Digitale Gesundheitsversorgung für alle? Logo of esanum https://www.esanum.de

Erfolgsmodell DiGA: Kann digitale Gesundheitsversorgung für alle gelingen?

DiGAs: Seit 2020 ein viel diskutiertes Thema, das aber in der medizinischen Versorgungsrealität noch nicht vollends angekommen ist. Wie lässt sich das ändern?

DiGAs: Mehrwert muss Ärzten und Patienten klar gemacht werden

Gemessen daran, dass DiGAs bereits zur Therapieunterstützung für eine Vielzahl unterschiedlicher Krankheiten – von verschiedenen Erkrankungen der Psyche über Hormone und Stoffwechsel hin zu Krebserkrankungen – zugelassen sind, gibt es in der Versorgungsrealität noch einige Hürden zu überwinden: Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage wissen 62 % der Befragten nicht, was eine DiGA überhaupt ist, so Felix Köhler, Chief Operating Officer bei Cara Care

Um diese neue Behandlungsform Patientinnen und Patienten "schmackhaft" zu machen, sei die Aufklärung von ärztlicher Seite unerlässlich. Natürlich bedeutet dies für Ärztinnen und Ärzte einen zusätzlichen Aufwand – manchmal seien zwischen DiGA-Herstellern und Ärzten bis zu fünf Treffen notwendig, um den Mehrwert Digitaler Gesundheitsanwendungen klar verständlich zu machen. Zusätzlich käme dann für Ärztinnen und Ärzte noch der Aufwand hinzu, Patienten über die neue Behandlungsform aufzuklären: Für diese Mehrarbeit müssten natürlich auch entsprechende Anreize geschaffen werden. 

Ohne Patientenbeteiligung kein DiGA-Erfolg möglich

Selbstverständlich ist für den langfristigen Erfolg der DiGAs auch der Wille von Patienten gefragt, sich mit deren Anwendung auseinanderzusetzen, sind sich alle Debattierenden einig. Prof. Dr. med. Martin Möckel (Charité) dazu: "Es wäre falsch, Digitale Gesundheitsanwendungen von Patienten isoliert zu betrachten." Die DiGa müsse zum Teil der ärztlichen Therapie werden, bei dem sich Patientinnen und Patienten aktiv einbringen, indem die App auch genutzt wird. In Richtung der DiGA-Hersteller empfiehlt der Mediziner für jede Gesundheitsanwendung kurze Erklärvideos zu produzieren, die Ärzten und Patienten das jeweilige Anwendungskonzept erklären. 

Grundsätzlich kämen DiGAs auch zur rechten Zeit, merkt Matthias Mieves an, Sprecher für e-Health in der SPD-Bundestagsfraktion: In Zeiten des demographischen Wandels seien die Einrichtung zentraler digitaler Plattformen und das Ausprobieren neuer Dinge wichtige Elemente, um Fachkräftezeit zu sparen. Von politischer Seite seien hier in Form des Gesetzes zur Beschleunigung der Digitalisierung im Gesundheitswesen (DigiG) und des Gesetzes zur verbesserten Nutzung von Gesundheitsdaten (GDNG) bereits gute Grundlagen geschaffen worden, fügt Maximilian Funke-Kaiser (FDP) hinzu. Die Entwürfe zielen darauf ab, die Leserechte zwischen der elektronischen Patientenakte (ePA) und DiGAs zu stärken, außerdem soll eine bessere Integration von DiGAs in die Gesundheitsversorgung gewährleistet werden.

Durch Digitale Gesundheitsanwendungen Versorgungslücken schließen

Woran hapert es also noch konkret bei der ärztlichen Verschreibung Digitaler Gesundheitsanwendungen und deren Nutzung von Patientenseite? Dr. med. Amin-Farid Aly, wissenschaftlicher Referent der Bundesärztekammer, stellt eine Vermutung in den Raum: Ärztinnen und Ärzte seien es gewohnt, dass man auch bei vielen gut laufenden Therapien nach etwa 3 bis 4 Jahren Nebenwirkungen erkennt und dementsprechend grundsätzlich Skepsis bzw. Vorsicht herrscht. Bei DiGAs – denen Aly grundsätzlich positiv gegenübersteht – und deren allgegenwärtiger Förderung käme dann mitunter der "Verdacht der Wirtschaftsförderung" auf. Außerdem, merkt Dr. Karl Sydow, Stabsstelle Digitale Gesundheit beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller, an, wirke die Anwendungsdosierung von DiGAs – entweder 90 Tage oder ein Jahr – rigide.

Dabei könne die gezielte, informierte Verschreibung und Anwendung von DiGAs für Ärzte- wie Patientenschaft viele Vorteile mit sich bringen, findet Dr. Anne Sophie Geier, Spitzenverband Digitale Gesundheitsanwendungen. Viele Digitale Gesundheitsanwendungen greifen in medizinische Bereiche, in denen Versorgungslücken bestehen, etwa Adipositas oder das Reizdarmsyndrom. Auf diese Weise könne nicht nur Betroffenen aktiv geholfen werden, sondern Gesundheitsanwendungen auch als Präventionsinstrumente genutzt werden. "Das ist ein Ansatz, den wir nicht verspielen dürfen."

Quelle:

Tagesspiegel Mittagstalk Gesundheit: “Erfolgsmodell DiGA? Wie digitale Gesundheitsversorgung für alle gelingen kann”; 05.09.2023, 12.00 - 13.00 Uhr