Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, negative Erlebnisse stärker wahrzunehmen als positive. Während Kritik oder schwierige Begegnungen lange nachhallen, gehen freundliche Worte oft im Stress des Tages unter. Doch das Verhältnis lässt sich umkehren: Studien zeigen, dass fünf positive Interaktionen auf eine negative notwendig sind, um ein ausgeglichenes emotionales Klima zu schaffen.
Wertschätzung wirkt nicht nur im Privaten, sondern auch am Arbeitsplatz. Wer sich anerkannt fühlt, arbeitet motivierter, engagierter und zufriedener. Es heißt sogar, dass es ein ausschlaggebender Grund ist, sich für oder gegen einen Arbeitsplatz zu entscheiden.
Gerade in medizinischen Berufen, wo hohe Belastung auf wenig Feedback trifft, kann eine bewusste Kultur der Anerkennung Wunder bewirken. Ein achtsamer Augenkontakt, eine persönliche Ansprache samt ehrlichem Interesse mit einer Prise Hintergrund-Information zur Person, ein dankbarer Händedruck, ein kurzes Lob für die schnelle Diagnosestellung oder ein wertschätzender Kommentar für das Organisationstalent der MFA – solche kleinen Momente haben oft eine größere Wirkung, als wir denken und stillen ein menschliches Grundbedürfnis: Wahrgenommen werden und dazugehören.
Es braucht keine großen Aktionen, um Wertschätzung zu zeigen. Bereits kleine Gesten können einen erheblichen Einfluss haben:
Viele Ärzte haben das Gefühl, keine Zeit für ausgedehnte Dankesbekundungen zu haben. Doch Wertschätzung muss nicht zeitintensiv sein. Ein freundlicher Blick, ein kurzes, aber individuell ausgeführtes "Danke" oder ein Lob für eine gut gelöste Situation können bereits ausreichen.
Wertschätzung ist ansteckend. Wer Anerkennung erfährt, gibt diese positive Energie weiter – an Kollegen, Patienten und auch im Privatleben. Ein aufrichtiges Dankeschön kann den Unterschied zwischen einem routinierten Arbeitstag und einem Tag machen, der in Erinnerung bleibt.
Letztlich ist Wertschätzung mehr als nur ein freundliches Wort. Sie schafft eine Atmosphäre des Respekts, der Motivation und des Zusammenhalts – essenzielle Bestandteile einer positiven Arbeitskultur. Gerade in einem Beruf, der hohe Verantwortung und Stress mit sich bringt, kann sie eine wertvolle Ressource und Vorbild für viele sein. Unterschätzen Sie nicht die Kraft der Wertschätzung und vor allem auch Ihren ganz persönlichen Wirkungskreis!
Gina Schöler ist Deutschlands Glücksministerin. Sie fasziniert mit der unabhängigen Initiative „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ europaweit tausende Menschen, Unternehmen und sogar Bundesministerien und macht als Trainerin, Speakerin und Autorin Werbung für Werte. Dadurch werden alle dazu angestiftet, das Bruttonationalglück zu steigern.