AML: Allogene Stammzelltransplantation bei mittlerem Risiko Logo of esanum https://www.esanum.de

Allogene Stammzelltransplantation bei AML mit mittlerem Risiko notwendig?

Die AML zeichnet sich durch ihre Heterogenität aus, was eine Therapieentscheidung erschwert. Besonders bei Betroffenen der AML mit mittlerem Risiko ist bisher nicht geklärt, ob eine allogene Stammzelltransplantation mehr Nutzen als Schaden bringt.

Übersetzung aus dem Englischen. 

Der folgende Text ist eine Zusammenfassung des Artikels „Is allogeneic transplantation necessary in acute myeloid leukemia of intermediate risk in the first complete remission?“ (DOI: 10.55788/f6f2b566) von Marcos Rivada et al. (Hospital Clinico Universitario, Valencia, Spanien), der Teil der "Proceedings of the 4th European Congress controversies in Leukemia" ist. Der EUROLEUK 2023 Kongress fand am 20. und 21. November 2023 in Brüssel, Belgien, statt. 

Verschiedene Therapieansätze der AML

Die akute myeloische Leukämie (AML) stellt eine große medizinische Herausforderung dar, da ihre heterogene Natur die Behandlungsstrategien erschwert. Eine kürzlich durchgeführte Studie befasste sich mit der AML-Therapie nach der Remission bei Patienten mit mittlerem Risiko, insbesondere im Hinblick auf die allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (allo-HSCT).

Die AML entsteht durch erworbene genetische Veränderungen (Mutationen). Diese führen zu einer Reifungsstörung und der ungehemmten Vermehrung funktionsuntüchtiger Blutzellen (sogenannte Blasten). Die genetische Heterogenität der Erkrankung stellt eine große Herausforderung dar, insbesondere bei Patienten mit mittlerem Risiko (eingestuft nach den Richtlinien des European LeukemiaNet (ELN)). Jüngste Forschungsfortschritte, darunter die Identifizierung neuer Marker und gezielte Therapien wie FLT3-Inhibitoren, haben die prognostische Stratifizierung und die Behandlungsparadigmen verfeinert. Dennoch gibt es nach wie vor Kontroversen in der AML-Therapie, insbesondere über die Rolle der Stammzelltransplantation in der Post-Remissions-Phase.

Navigation durch die Optionen nach der Remission

Die Stammzelltransplantation ist ein Eckpfeiler der AML-Therapie, insbesondere für Patienten in erster kompletter Remission (CR1) mit hohem Rückfallrisiko. Der Nutzen bei Patienten mit mittlerem Risiko ist jedoch nach wie vor unklar. Zwischen der Verringerung des Rückfallrisikos und dem Management der behandlungsbedingten Mortalität (Treatment-Related Mortality: TRM) ist abzuwägen; diese Entscheidung beeinflusst die Therapie nach der Remission.

Definitionen und Klassifikationen

Jüngste Aktualisierungen der Klassifizierungen, wie die ELN-Leitlinien 2022, spiegeln den dynamischen Charakter der AML-Einstufung wider, insbesondere die Neudefinition der AML mittleren Risikos. In vergleichenden Analysen wurden die Ergebnisse verschiedener Post-Remissions-Strategien, einschließlich der allogenen Stammzelltransplantation (allo-HSCT), der autologen Stammzelltransplantation und der Konsolidierungschemotherapie, bei Patienten mit mittlerem Risiko untersucht. Während einige Studien für die Überlegenheit der allo-HSCT plädieren, schlagen andere wiederum Therapieansätze vor, die auf molekularen Risikoprofilen und dem Status der minimalen Resterkrankung (MRD) basieren.

Die Rolle von MRD und molekularen Markern

Die MRD erweist sich als entscheidender Faktor für die Therapie nach der Remission, der die Behandlungsentscheidungen und Konditionierungsschemata bei der allogenen Stammzelltransplantation bestimmt. Die Integration der MRD-Bewertung mit genetischen Risikoprofilen bietet einen personalisierten Therapieansatz, der die Toxizität minimieren und gleichzeitig die Ergebnisse optimieren kann.

Herausforderungen der AML-Therapie 

Trotz der Fortschritte beim Verständnis der AML-Pathophysiologie und der Verfeinerung der Behandlungsstrategien bestehen nach wie vor erhebliche Unsicherheiten, vor allem hinsichtlich der Rolle der allogenen Stammzelltransplantation bei Patienten mit mittlerem Risiko. Um diese Komplexität zu bewältigen, sind prospektive klinische Studien erforderlich, die eine aktualisierte Risikostratifizierung und molekulare Profilerstellung beinhalten, um die Therapie effektiv anzupassen. 

Referenzen: