HIV und Frauen: Oft übersehen und unterversorgt? Logo of esanum https://www.esanum.de

Von Prävention bis Stillen: HIV bei Frauen

Sexuell aktive Frauen und deren Risiko, sich mit HIV und anderen STI zu infizieren, werden in Studien und auch im Praxisalltag oft vernachlässigt. Bringen Sie sich mithilfe dieses Interviews auf den aktuellen Stand.

Drei Dinge, die Sie über Frauen und HIV wissen sollten

Risikoverhalten versus Risikogruppen

Der Begriff der Risikogruppe, der im Zusammenhang mit HIV und sexuell übertragbaren Infektionen (STI) gern verwendet wird, ist heutzutage wissenschaftlich überholt. Vielmehr sollten Ärztinnen und Ärzte ein Gespür dafür entwickeln, dass alle sexuell aktiven Menschen mit Risikoverhalten, z. B. kondomloser Sex oder wechselnde Partnerschaften, ein höheres Risiko für eine HIV-Infektion oder andere STI haben.

Für die Anamnese und Diagnostik bedeutet das dann auch, sich nicht auf MSM und Drogengebrauchende zu beschränken oder den urethralen Abstrich als alleinigen Wert anzusehen. Frauen, heterosexuelle Männer, ältere Menschen, sie alle können sich ungeschützt infizieren. Und Sexualität ist bunt – d. h., urethrale, orale und auch anale Verbreitung von STI ist möglich und sollte daher diagnostisch bedacht werden.

Frauen mit HIV in Therapie stellen kein Infektionsrisiko dar

Frauen mit HIV, die gut eingestellt sind auf ihre antiretrovirale Therapie und deren Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze liegt, sind nicht ansteckend und können das HI-Virus weder beim Sex, noch unter der Geburt oder beim Stillen, und noch viel weniger im alltäglichen Umgang übertragen. Das zu wissen und auch den Angestellten in der Praxis und Klinik zu vermitteln, hilft Stigmatisierung und Diskriminierung zu vermeiden und baut Ängste auf beiden Seiten des Konsultationstisches ab.

Ebenso interessant sind unsere weiteren Beiträge zum Thema Neues zur HIV-Therapie für die Hausarztpraxis sowie ein Interview mit PD Dr. Christoph Spinner aus München zu den aktuellen STIKO-Impfempfehlungen für Menschen mit HIV.

Kurzbiografie Harriet Langanke

Harriet Langanke lebt und arbeitet in Köln. Im Jahr 2007 zählte sie bei der Gründung der Gemeinnützigen Stiftung Sexualität und Gesundheit (GSSG) zu den jüngeren Stifterinnen in Deutschland. Vor der Gründung der GSSG gehörte sie u.a. zu den Mitgründerinnen des bundesweiten Netzwerks Frauen und HIV. Harriet Langanke arbeitet zudem seit vielen Jahren als Fachjournalistin und Sexualwissenschaftlerin und ist langjähriges Mitglied der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG).

Quelle: Podcast anlässlich der 18. Münchner AIDS- und COVID-Tage vom 25.–27. März 2022