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Mysteriöse Hepatitis bei Kindern

Eine Welle mysteriöser Hepatitis-Ausbrüche bei Kindern breitet sich weltweit aus. In Großbritannien scheint man die Ursache gefunden zu haben.

Großbritannien ist der Hepatitis bei Kindern auf der Spur

In Großbritannien hat die britische Gesundheitsbehörde (UK Health Security Agency) die rätselhaften Krankheitsfälle bei Kleinkindern gründlich untersucht. Seit Januar 2022 treten immer wieder neue Hepatitis-Fälle bei Kindern unter 10 Jahren auf. Die Gesamtzahl der bestätigten plötzlich auftretenden Hepatitis-Fälle in Großbritannien hat sich mittlerweile auf 263 erhöht. Der Großteil der betroffenen Kinder ist jünger als 5 Jahre alt. Das Krankheitsbild begann in den meisten Fällen bei zuvor gesunden Kindern mit einer Gastroenteritis mit den typischen Symptomen Durchfall und Übelkeit. Auf diese folgte dann die Gelbsucht mit Gelbfärbung der Lederhäute der Augen, der Haut und der Schleimhäute. Das Krankheitsbild schaukelte sich in einigen Fällen so hoch, dass eine Lebertransplantation für die kleinen Patient:innen nötig wurde. Noch am 17.06.2022 informierte die britische Gesundheitsbehörde die Bevölkerung auf ihrer Webseite darüber, dass es keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus (COVID-19) gab. Viele der betroffenen Kinder waren zu jung gewesen, um den Impfstoff erhalten zu haben.2

Der "Sherlock Holmes" der Virologie löst das Rätsel um die Hepatitis bei Kindern

In wissenschaftlichen Kreisen kursiert eine neue und äußerst komplexe Theorie darüber, was die rätselhaften Fälle von Hepatitis bei Kleinkindern verursachen haben könnte. Zwei noch unpublizierte Studien aus Großbritannien stellen die Theorie auf, dass die von der akuten Hepatitis betroffenen Kinder, möglicherweise mit zwei verschiedenen Viren koinfiziert waren. Erschwerend hinzukommen könnte auch eine genetische Veranlagung für eine überschießende Immunreaktion. Bisherige Untersuchungen deuten darauf hin, dass zwei uns bekannte und weit verbreitete Viren mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen nun ihr Comeback gefeiert haben könnten. Durch Kontaktbeschränkungen, Homeschooling und geschlossene Kindertagesstätten hatten die meisten Kleinkinder und Kinder kaum Kontakt zueinander, um Viren und Bakterien auszutauschen zu können. Nun könnte das Immunsystem einiger Kinder mit dem plötzlichen Kontakt und den damit einhergehenden Keimen überfordert sein. Auch fehlt dem Immunsystem der Kinder das Training, welches sie sonst in dem Alter in den Kindertagesstätten erhalten hätten.1,3

Fehlende Immunität gegen Adenovirus im Kleinkindalter als Folge der Pandemie

Die beiden Forschungsteams aus Großbritannien konnten eine interessante Beobachtung machen: Säuglinge, die aufgrund von Covid-Beschränkungen erst zu einem späteren Zeitpunkt geimpft werden konnten, haben eine frühe Immunität gegen das Adenovirus verpasst. Und genau das könnte zu den ernsten Leberentzündungsfällen bei Kindern geführt haben. Eine Koinfektion mit dem Adenovirus und dem Adeno-assoziierten Virus 2 könnte zu dieser ungewöhnlichen Manifestation der Hepatitis geführt haben. Hier zeigt sich wieder, wie wichtig, das Training des Immunsystems für Kleinkinder und Kinder ist und welche Folgen die Corona-Pandemie haben kann.1,3

Die Verbindung zwischen Hepatitis bei Kindern und COVID-19

Der Virologe William Irving von der Universität Nottingham (Großbritannien) sieht einen starken Zusammenhang zwischen der Corona-Pandemie und dem Hepatitis-Ausbruch bei Kindern. Irving zufolge könnte der weltweite Hepatitis-Ausbruch auch eine Folge direkter Schäden durch frühere SARS-CoV-2-Infektionen sein. Denkbar ist auch, dass eine geringere Virenexposition während der Lockdown-Maßnahmen einen erheblichen Teil hierzu beigetragen hat. Diese abnorme Immunreaktion, die in einer ernsten und lebensbedrohlichen Leberentzündung gipfelte, könnte nur eine von noch vielen uns erwartenden abnormen Immunreaktionen bei Kindern sein. Dieser These gegenüber stehen die Daten der CDC-Studie. Die Forschernden der CDC-Studie konnten nach Analyse von Krankenakten und Labortests von Stuhlproben auf Adenoviren keinen Anstieg der pädiatrischen Hepatitisfälle beobachten.4,5

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