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Alzheimer in den Augen erkennen

Durch eine verringerte Anzahl an Kapillaren im hinteren Auge könnte eine neue, nichtinvasive Möglichkeit eingesetzt werden, kognitive Beeinträchtigungen zu erkennen. Amerikanische ForscherInnen glauben, dass diese Kapillaren auch als Biomarker für Alzheimer genutzt werden kann.

Kapillare am hinteren Auge als Biomarker

Durch eine verringerte Anzahl an Kapillaren im hinteren Auge könnte eine neue, nichtinvasive Möglichkeit eingesetzt werden, kognitive Beeinträchtigungen zu erkennen. Amerikanische ForscherInnen glauben, dass diese Kapillaren auch als Biomarker für Alzheimer genutzt werden kann.

Die WissenschaftlerInnen erkannten die vaskulären Veränderungen im menschlichen Auge nichtinvasiv durch die Aufnahmen einer Infrarotkamera. Dies wurde durch Hilfe der neuen OCT-Angiographie ermöglicht, mit der die Rückseite des Auges visuell erreicht werden kann. Die neue Technik macht nach Angaben der ForscherInnen das Auge zu einem idealen Spiegel dessen, was im Gehirn geschieht.

"Sobald unsere Resultate bestätigt sind, könnte dieser Ansatz als weiterer Biomarker genutzt werden, Alzheimer-Risiken bei Patienten zu erkennen", erklärt Dr. Amani Fawzi. Er ergänzt: "Diese Menschen könnten dann viel genauer beobachtet werden. Sie würden sich ebenfalls optimal als erste Kandidaten für neue Therapien im Kampf gegen Alzheimer und die Verlangsamung von Symptomen eignen."

Neue Technik sollte bei Multicenterstudien zum Einsatz kommen

Fawzi betont die größere Effektivität von Alzheimer-Therapien, wenn sie bereits vor Hirnschäden und kognitivem Abbau beginnen. Es sei schon länger bekannt, dass bei PatientInnen mit Alzheimer eine verringerte Netzhautdurchblutung und Dichte der Blutgefäße vorliegt. Es sei allerdings bislang noch nicht bekannt gewesen, ob diese Veränderungen auch bereits bei PatientInnen mit früher Form der Erkrankung oder leichtem kognitiven Abbau existieren.

Professor Sandra Weintraub, Mitautorin der Studie, schlägt vor, die neue Technik bei klinischen Multicenterstudien einzusetzen. Umfangreichere Daten seien wichtig, um den neuen Marker zu validieren und die bestmöglichen Algorithmen zur Alzheimer-Risikoerkennung zu entdecken.

ForscherInnen warten Vergleichsergebnisse ab

32 TeilnehmerInnen nahmen an der Studie teil, die kognitive Beeinträchtigungen aufwiesen. Sie wurden mit ProbandInnen verglichen, die für ihr Alter normale kognitive Werte aufwiesen. Alle TeilnehmerInnen unterzogen sich außerdem der OCT-Angiographie. Die ForscherInnen untersuchten, ob die Kapillare am hinteren Auge bei den beiden Testgruppen Unterschiede aufwiesen.

Professor Fawzi schließt ab: "Idealerweise stimmen die Netzhautbefunde mit denen anderer Biomarker im Gehirn überein. Auch Langzeitstudien sind wichtig, um festzustellen, ob sich die Kapillaren bei Patienten, die Alzheimer-bedingte Demenz entwickeln, drastischer verändern."

Quelle:
Yi Stephanie Zhang, Nina Zhou, Brianna Marie Knoll, Sahej Samra, Mallory R. Ward, Sandra Weintraub, Amani A. Fawzi. Parafoveal vessel loss and correlation between peripapillary vessel density and cognitive performance in amnestic mild cognitive impairment and early Alzheimer’s Disease on optical coherence tomography angiographyPLOS ONE, 2019; 14 (4): e0214685 DOI: 10.1371/journal.pone.0214685