Sexueller Kindesmissbrauch - Michael Reh: "Es ist nie gut" Logo of esanum https://www.esanum.de

"Es ist nie gut." Sexueller Kindesmissbrauch und seine Folgen

Michael Reh wird als Kind von seiner Tante über einen Zeitraum von acht Jahren sexuell missbraucht. Im Interview spricht er über das Erlebte, die Folgen und über die Rolle, die ärztliche Betreuung dabei spielt.

Täterinnen sind oft die engsten Bezugspersonen

Michael Reh wird als Kind von seiner Tante über einen Zeitraum von acht Jahren sexuell missbraucht. Im Interview spricht er über das Erlebte, die Folgen und über die Rolle, die ärztliche Betreuung dabei spielt.

Michael Reh wird als Kind von seiner Tante sexuell missbraucht. Der Missbrauch beginnt, als er viereinhalb Jahre alt ist und setzt sich über einen Zeitraum von acht Jahren fort - eine im Dortmund der 60er und 70er Jahre für die meisten unvorstellbare Situation. Das Kind kann sich an niemanden wenden. Als Michael Reh endlich über das Erlebte sprechen kann, ist er bereits erwachsen. Innerhalb der Familie stoßen seine Berichte auf Feindseligkeit und Ablehnung. Allen voran sein Vater bezichtigt ihn der Lüge.

(Das Video enthält Schilderungen, die verstörend oder triggernd wirken können.)

Michael Reh spricht im Interview mit Ester Zakirova auch über die ärztliche Betreuung, die er als übergriffig und beschämend empfand, und über die Folgen der Traumatisierung, mit denen er sich bis heute auseinandersetzen muss. Er plädiert für mehr Offenheit im Umgang mit dem Tabuthema und appelliert besonders an das medizinische Personal, sensibel für mögliche Symptome zu sein und Kindern eine Umgebung zu schaffen, in der sie sich vertrauensvoll äußern können.  

Scham und Angst bestimmen jahrelang den Alltag Überlebender

Auch heute noch werden Frauen als Täterinnen kaum in Erwägung gezogen. Manche bezweifeln immer noch, dass eine Frau überhaupt zu sexuellem Missbrauch fähig ist. Zu sehr stellt diese Vorstellung die gängigen Geschlechterzuschreibungen auf den Kopf. Dabei sind Täterinnen keine Einzelfälle. Die Dunkelziffer ist jedoch enorm, da Überlebende sich aus Scham, Angst und auch, weil es sich bei der Täterin oft um eine primäre Bezugsperson handelt, niemals mitteilen.

Da es infolgedessen auch kaum wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema gibt, läuft am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) aus seit Januar 2020 und noch bis Ende Juni dieses Jahres die Studie “Sexueller Kindesmissbrauch durch Frauen” unter der Leitung von Prof. Peer Briken. In einer anonymen Online-Umfrage wurden Überlebende zu ihren Erfahrungen befragt.

Früherkennung & Prävention als ärztliche Aufgabe

Ärztinnen und Ärzte sind Schlüsselpersonen in der Früherkennung und Prävention von Kindesmisshandlung und sexuellem Missbrauch. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht geeignete Interventions- und Schutzmaßnahmen und bietet Überlebenden die Chance, rechtzeitig Hilfe und notwendige Therapien zu erhalten.

Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung ist es allerdings notwendig, sich vorab zu erkundigen, welche Informationen an wen weitergegeben werden dürfen. Sonst drohen Ärztinnen und Ärzten aufgrund der Nichtbeachtung der ärztlichen Schweigepflicht Schadensersatzansprüche oder strafrechtliche Konsequenzen.

Für die Abklärung einer möglichen Kindesmisshandlung bieten die Handlungsempfehlungen der Bundesärztekammer und die Leitfäden "Gewalt gegen Kinder" - bundesweite Unterstützung bei der Diagnosestellung und Dokumentation und geben Einblicke in mögliche Vorgehensweisen und Hinweise zur Risikoabschätzung.