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CED: Anhaltender Therapieerfolg nach Switch auf Adalimumab-Biosimilar

Biosimilars sind gleichwertige, g&uuml;nstigere Alternativen zu ihrem Referenzbiologikum.<sup>1</sup> Bereits seit 2018 kommen auch bei chronisch-entz&uuml;ndlichen Darmerkrankungen (CED) Biosimilars des Tumornekrosefaktor(TNF)-Inhibitors Adalimumab<sup>2</sup> zum Einsatz.<sup>1</sup> Follow-Up Daten zur Umstellung auf ein Adalimumab-Biosimilar bei CED sind jedoch in ihrer Aussagekraft oft limitiert.<sup>3</sup>

Tumornekrosefaktor(TNF)-Inhibitoren sind ein fest etablierter Bestandteil der Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED).4,5 Seit ihrer Einführung haben sie erwiesenermaßen dazu beigetragen Krankenhausaufenthalte und chirurgische Interventionen zu verringern, sowie die Lebensqualität der Patient*innen mit CED zu verbessern.3 Der TNF-Inhibitor Adalimumab6 ist bereits seit dem Jahr 2007 zur Behandlung des Morbus Crohn (MC) zugelassen.7 Heute ist Adalimumab zur Behandlung von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen sowohl bei MC als auch Colitis ulcerosa (CU) zugelassen.2

Seit dem Patentablauf 2018 sind mittlerweile auch mehrere Biosimilars von Adalimumab auf dem Markt verfügbar.1 Bereits 2017 befürwortete die European Crohn's and Colitis Organisation (ECCO) die Umstellung auf ein Biosimilar bei CED-Patient*innen.8 Im April 2023 bestätigte die Europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency; EMA) in einem offiziellen Statement diese Einschätzung grundsätzlich für alle zugelassenen Biosimilars unabhängig von der Indikation: Biosimilars seien ihren Referenzprodukten hinsichtlich Wirksamkeit, Sicherheitsprofil und Immunogenität gleichwertig und daher untereinander austauschbar.9

Trotz der mittlerweile vorliegenden positiven Erfahrungen, wird mit einer Umstellung auf ein Biosimilar bei gut eingestellten CED-Patient*innen derzeit immer noch zögerlich umgegangen.3 Möglicherweise liege dies, so die Autor*innen einer kürzlich erschienenen Switch-Studie, einerseits an limitierten Kapazitäten auf ärztlicher Seite, zum anderen gebe es immer noch Bedenken seitens der Patient*innen.3 Tatsächlich existieren bisher keine klinischen Switch-Studien für Adalimumab bei CED.3 Die Zulassung von Adalimumab-Biosimilars bei CED basieren alle auf der Grundlage der Extrapolation klinischer Studien bei rheumatoider Arthritis (RA).10 Bisherige Erkenntnisse zu Wirksamkeit und Sicherheitsprofil bei CED beruhen immer auf Real-World-Daten, die häufig gewissen Limitationen, z. B. fehlenden Kontrollgruppen oder geringen Patient*innenzahlen, unterliegen.3

ADA-SWITCH: Adalimumab-Biosimilars bei CED-Patient*innen

Eine spanische Autor*innengruppe verglich nun in der großen Kohortenstudie ADA-SWITCH die Therapieadhärenz sowie mehrere Wirksamkeits- und Sicherheitsendpunkte bei CED-Patient*innen, die entweder auf der Therapie mit dem Originator-Produkt blieben oder auf ein Biosimilar umgestellt wurden.3 In die retrospektive, multizentrische Beobachtungsstudie wurden insgesamt 524 Patient*innen eingeschlossen – darunter 67 Patent*innen mit CU und 457 Patient*innen mit MC.3 Ausgewählt wurden nur Patient*innen, die das Referenz-Adalimumab erhielten, für die Adalimumab der erste Therapieversuch mit einem Biologikum war und die stabil auf der Standard-Dosis eingestellt waren.3

Etwa 40 % der Patient*innen (n=211) wurden auf ein Adalimumab-Biosimilar umgestellt (Switch-Kohorte), 60 % (n=313) verblieben auf dem Referenz-Adalimumab (Nicht-Switch-Kohorte).3 Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 13 Monate in der Switch-Kohorte und 24 Monate in der Nicht-Switch-Kohorte.3 Um einen Selektionsfehler (Bias) zu vermeiden, wurden in der Switch-Kohorte nur Zentren aufgenommen, bei denen der Wechsel auf ein Biosimilar bei allen Patient*innen durchgeführt wurde, ohne Möglichkeit auf der Therapie mit dem Referenz-Adalimumab zu verbleiben.3

Switch auf Biosimilar ohne Auswirkungen auf Adhärenz oder Outcomes

In der Studie zeigten sich keine Auswirkungen einer Umstellung auf die Therapieadhärenz bei den untersuchten CED-Patient*innen: Die Abbruchrate pro Patient*innenjahr lag in der Switch-Kohorte bei 7 % (95 % Konfidenzintervall [KI] 5 %–10 %) und bei 8 % in der Nicht-Switch-Kohorte (95 % KI 5 %–13 %).3 Unterschiede zeigten sich bei den Gründen für die Therapieabbrüche: Während in der Switch-Kohorte unerwünschte Ereignisse für 55 % der Therapieabbrüche verantwortlich waren, war es in der Nicht-Switch-Kohorte am häufigsten ein Verlust des Ansprechens (35 %).3 In der Switch-Kohorte war dies nur bei 15 % der Fall.3 Insgesamt war die Rate der Therapieabbrüche niedrig.3

Auch die Zahl der Rezidive war bei Switch- (8 %) und Nicht-Switch-Kohorte (6 %) vergleichbar niedrig.3 Nebenwirkungen waren in beiden Kohorten vergleichbar niedrig. Unerwünschte Ereignisse, die auf Adalimumab zurückzuführen waren, kamen bei 6 % in der Switch-Kohorte und 5 % in der Nicht-Switch Kohorte vor (p > 0,05).3 Die häufigste Nebenwirkung in der Switch-Kohorte waren Schmerzen an der Injektionsstelle (2,4 %) in der Nicht-Switch-Kohorte waren es Infektionen (2,0 %).3

Die Studie ist damit nach Angaben der Autor*innen eine der größten Studien bisher, die die Adhärenz und Wirksamkeit von Adalimumab-Biosimilars bei CED-Patient*innen nach einem Wechsel untersucht hat.3 Sie liefert damit wertvolle Daten, die bestätigen, dass eine Umstellung auf ein Adalimumab-Biosimilar generell als sicher angesehen werden kann und weder die Wirksamkeit, noch die Therapieadhärenz bei CED-Patient*innen negativ beeinflusst.3

Biosimilars schaffen Freiräume in der ärztlichen Versorgung

Der zunehmende Einsatz von Biosimilars kann durch niedrigere Preise und indirekt durch gesteigerten Wettbewerb erhebliche Einsparungen im Gesundheitswesen erzielen.1 Dies hat zur Folge, dass sowohl Krankenkassen als auch Gesundheitssysteme finanzielle Ressourcen für den Einsatz moderner und innovativer Therapien frei machen können.1 So können sich durch den Einsatz von Biosimilars auch in der ärztlichen Versorgung neue Freiräume ergeben: Ärzt*innen haben aufgrund geringerer wirtschaftlicher Limitationen die Möglichkeit, die neuesten therapeutischen Fortschritte in die Praxis umzusetzen und ihren Patient*innen eine bestmögliche Behandlung anzubieten.1 Insbesondere für chronisch kranke Patient*innen bedeutet dies eine erhöhte Zugänglichkeit zu hochwertigen medizinischen Therapien.1 Insgesamt stellen Biosimilars nicht nur eine Therapiealternative dar, sondern sind auch eine Chance für eine nachhaltige und effiziente Nutzung der Ressourcen im Gesundheitswesen.1

Referenz

  1. AG ProBiosimilars. Hanbuch Biosimilars. 2023. Online verfügbar: https://probiosimilars.de/app/uploads/2022/12/ProBio-Handbuch-Biosimilars-2022-RZ-Web-DS.pdf. Letzter Zugriff: 09.06.2023.
  2. Fachinformation ImraldiTM. Aktueller Stand.
  3. Casanova MJ et al. Real-world outcomes of switching from adalimumab originator to adalimumab biosimilar in patients with inflammatory bowel disease: The ADA-SWITCH study. Aliment Pharmacol Ther. 2023 Apr 23.
  4. Kucharzik T et al. Aktualisierte S3-Leitlinie Colitis ulcerosa (Version 6.1). Februar 2023. AWMF-Registriernummer: 021-009.
  5. Sturm A et al. Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). August 2021 – AWMF-Registernummer: 021-004.
  6. Fachinformation Humira®. Stand: Juni 2021.
  7. OTS.at. Abbotts HUMIRA(R) (Adalimumab) in der Europäischen Union zur Behandlung von Morbus Crohn zugelassen. 8. Juni 2007. Online verfügbar: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20070608_OTS0200/abbotts-humirar-adalimumab-in-der-europaeischen-union-zur-behandlung-von-morbus-crohn-zugelassen. Letzter Zugriff: 09.06.2023.
  8. Danese S et al. ECCO Position Statement on the Use of Biosimilars for Inflammatory Bowel Disease-An Update. J Crohns Colitis. 2017 Jan;11(1):26-34.
  9. European Medicines Agency. Statement on the scientific rationale supporting interchangeability of biosimilar medicines in the EU. 21. April 2023. Online verfügbar: : https://www.ema.europa.eu/en/news/biosimilar-medicines-can-be-interchanged. Letzter Zugriff: 09.06.2023.
  10. Ben-Horin S et al. Biosimilars in Inflammatory Bowel Disease: Facts and Fears of Extrapolation. Clin Gastroenterol Hepatol. 2016 Dec;14(12):1685-1696.

Biogen-215938 v1.0 07/2023