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Erhöhtes Gewicht = erhöhtes Brustkrebsrisiko?

10,2 % aller postmenopausalen Mammakarzinome sind auf Adipositas zurückzuführen – so das Ergebnis einer globalen Analyse aus dem Jahr 2015.<sup>1</sup> Können bariatrische Operationen helfen, das Auftreten von Brustkrebs zu reduzieren? Eine prospektive Studie gibt Antworten.<sup>2</sup>

Bariatrische OPs, um das Brustkrebsrisiko zu reduzieren

Dass bariatrische Operationen bei Frauen mit einer geringeren Inzidenz an Krebs insgesamt sowie an Adipositas-assoziierten Krebserkrankungen (Ovarial-/Brust-/Gebärmutter-/Kolonkarzinom) zusammenhängen, zeigte eine retrospektive Studie im Jahr 2023.3 Nun wurden die Ergebnisse einer prospektiven Studie speziell zum Risiko für Brustkrebs bei Frauen mit Adipositas publiziert.2

Die nicht-randomisierte, kontrollierte Studie inkludierte 2.867 schwedische Frauen im Alter von 37-60 Jahren mit einem BMI ≥ 38:2

Die Interventionsstudie untersuchte die Langzeiteffekte einer bariatrischen OP auf die Adipositas-assoziierte Mortalität und Morbidität, das mediane Follow-up betrug 23,9 Jahre. Innerhalb des Beobachtungszeitraumes traten 154 Brustkrebsevents auf:2

Somit zeigte sich ein um 32 % reduziertes Brustkrebsrisiko in der OP-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe (Hazard Ratio [HR] 0,68; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,49-0,94; p = 0,019).2

Effekt der bariatrischen OP von der Menopause abhängig?

Laut einer Analyse der International Agency for Research on Cancer (IARC) haben bereits mehrere Studien bei postmenopausalen Frauen einen Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und dem Auftreten von v. a. Estrogenrezeptor (ER)-positivem Brustkrebs aufgezeigt.4 Auch der Taillenumfang sowie eine Zunahme der Fettmasse wiesen eine positive Assoziation mit der Entstehung von Brustkrebs auf.4

Bei prämenopausalen Frauen war die Assoziation zwischen BMI und Brustkrebsrisiko hingegen umgekehrt – es könnte demnach ein protektiver Effekt bestehen.4 Hinsichtlich der anderen beiden Parameter (Taillenumfang und Zunahme der Fettmasse) waren die Daten jedoch inkonsistent, sodass der Unterschied zwischen prä- und postmenopausalen Frauen noch nicht vollständig geklärt ist.4

Obwohl die Altersspanne von 37 bis 60 Jahren reichte, wurde in der schwedischen Studie nicht zwischen prä- und postmenopausalen Frauen unterschieden.2 Aufgrund der Ergebnisse der IARC-Analyse4 könnte es jedoch wichtig sein, den Effekt der bariatrischen OP abhängig vom Menopausenstatus zu analysieren.

Adipositas bei Patientinnen mit frühem Brustkrebs

Hat Adipositas auch einen Einfluss, wenn Brustkrebs bereits diagnostiziert und behandelt wurde? Laut der S3-Leitlinie zum Mammakarzinom konnte in retrospektiven Studien nachgewiesen werden, dass Brustkrebspatientinnen mit einem BMI ≥ 30 kg/m1 im Vergleich zu einem BMI < 25 kg/m2 ein signifikant um 46 % höheres Risiko für die Entwicklung einer Fernmetastasierung innerhalb der ersten 10 Jahre aufweisen.5

Die Gewichtsreduktion durch z. B. eine bariatrische OP, aber auch durch andere Maßnahmen wie z. B. körperliche Aktivität oder die Ernährung, könnte demnach für die Reduktion des allgemeinen Brustkrebsrisikos sowie für die Senkung des Rückfallrisikos eine wichtige Rolle spielen.

Das Risiko für ein Rezidiv wird zudem erhöht durch Faktoren wie hoher Tumorgrad, Tumorgröße ≥ 5 cm, der Befall axillärer Lymphknoten und hoher Ki-67-Score.5 Wie das in der Praxis aussehen kann, lesen Sie hier:


Quelle

  1. Arnold M et al. Global burden of cancer attributable to high body-mass index in 2012: a population-based study. Lancet Oncol. 2015;16(1):36-46.
  2. Kristensson FM et al. Breast Cancer Risk After Bariatric Surgery and Influence of Insulin Levels: A Nonrandomized Controlled Trial. JAMA Surgery. 2024.
  3. Adams TD et al. Long-term cancer outcomes after bariatric surgery. Obesity. 2023;31(9):2386-2397.
  4. Lauby-Secretan B et al. Body Fatness and Cancer — Viewpoint of the IARC Working Group. New England Journal of Medicine. 2016;375(8):794-798.
  5. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Stand Juni 2021. AWMF-Reg.-Nr. 032-045OL, unter: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OLl_S3_Mammakarzinom_2021-07.pdf (zuletzt abgerufen am 04.06.2024).

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