Treat to Target bei JIA – Therapieerfolge bei Kinderrheuma Logo of esanum https://www.esanum.de

Juvenile Arthritis gezielt behandeln: Die „Treat to Target"-Strategie

Klare Therapieziele, regelmäßige Kontrollen und Anpassung bei Bedarf: Mit diesem strategischen Vorgehen des „Treat to Target“ soll die Therapie kindlich-rheumatischer Erkrankungen optimiert werden. Funktioniert das?

Treat to Target in der Kinderrheumatologie

  • Treat to Target (T2T) ist ein Therapieansatz, der eine Standardisierung von Diagnose, Therapie und Monitoring vorsieht.
  • Die Behandlung richtet sich nach vorgegebenen Protokollen, wird regelmäßig evaluiert und bei Bedarf angepasst.
  • Über die Definition von klaren therapeutischen Zielen und ein frühzeitiges Eingreifen in den Krankheitsprozess soll die Prognose verbessert werden.
  •  Für zahlreiche kindlich-rheumatische Erkrankungen wurden bereits Therapieprotokolle entwickelt und veröffentlicht.

Die therapeutischen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte in der Rheumatologie waren enorm. Mit Einführung der ersten Biologika um die Jahrtausendwende hat sich die krankheitsmodifizierende Therapie (DMARD) grundlegend verändert.

Doch in der Pädiatrie erhalten neue Wirkstoffe oft keine Zulassung oder kommen erst mit erheblicher Verzögerung an. So beschränkten sich etwa bei der Oligoarthritis die derzeit zugelassenen Medikamente nach wie vor auf das Arsenal von vor 50 Jahren: nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sowie intraartikuläre und systemische Glukokortikoide. 

T2T: Deutliche Therapieerfolge nach 12 Monaten Follow-up 

Umso wichtiger ist ein gezielter Einsatz gerade auch von Off-Label-Therapien. Dazu hat eine Initiative von Kinder- und Jugendrheumatologen Handlungs- und Therapieprotokolle zu verschiedenen kindlich-rheumatischen Erkrankungen wie der polyartikulären, oligoartikulären und systemischen JIA entwickelt. Im Rahmen des Projekts „PRO-Kind Rheuma“ führten sie eine multizentrische, nicht-interventionelle Observationsstudie durch, die vom Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert wurde. Ziel war es zu evaluieren, ob das Behandlungsziel ,inaktive Erkrankung’ bei der JIA durch die Anwendung der Protokolle erreicht werden kann.

Die Ergebnisse des 12-Monate-Follow-ups sehen wie folgt aus (doi: 10.1002/art.41879):

  • Oligoarthritis: Zu Studienbeginn zeigten 85 % der betroffenen Kinder eine hohe oder moderate Krankheitsaktivität. Nach einem Jahr lag dieser Anteil bei nur noch 17 %. Bei knapp 60 % war die Erkrankung vollständig inaktiv.
  • Polyarthritis: Während zu Studienbeginn über 90 % eine hohe oder moderate Krankheitsaktivität aufwiesen, waren es nach zwölf Monaten nur noch knapp 15 %. Bei zwei Dritteln der Kinder war die Erkrankung inaktiv.

Entscheidend: Evaluation und Änderung der Therapie 

Die Erfolge wurden unabhängig von einem bestimmten Wirkstoff erzielt. Entscheidend war vielmehr die Einhaltung der Protokolle mit regelmäßiger Evaluation und eine Therapieumstellung bei ausbleibender Besserung. Mit dieser Strategie wurden auch patientenbezogene Outcomes (PROs) wie Fatigue, Schmerz und globales Wohlbefinden im ersten Jahr positiv beeinflusst. 

Für die Laufzeit 2024 bis 2027 wurde eine zweite Förderperiode des Projekts PRO-Kind Rheuma vom G-BA bewilligt, in der eine längere Nachbeobachtung bis zu vier Jahren erfolgen kann.

T2T hat sich somit auch in der Kinderrheumatologie bewährt. In der 2025 publizierten zweiten Auflage der S2k-Leitlinie zum juvenilen systemischen Lupus erythematodes (jSLE) ist die Strategie bereits verankert und wird auch in der S2k-Leitlinie zur JIA, die aktuell überarbeitet wird, Einzug erhalten.

Quelle:
  1. Tenbrock, Klaus (Aachen): Therapien und Therapiestrategien (Treat to Target, T2T) bei kindlich-rheumatischen Erkrankungen. Session „Management und Therapiestrategien bei Kindern und Jugendlichen mit rheumatischen Erkrankungen“, Kongress für Kinder- und Jugendmedizin, 24.–27.09.2025, Leipzig.