Vaping: Cannabidiol ist genauso gefährlich wie Nikotin Logo of esanum https://www.esanum.de

Vaping: auch mit Cannabidiol anstatt Nikotin schädlich

Viele Menschen gehen von der irrigen Annahme aus, dass E-Zigaretten nicht so schädlich seien wie normale Zigaretten. Oder dass man beruhigter sein kann, wenn zumindest kein Nikotin gedampft wird – leider auch nicht, sagt eine aktuelle Studie.

Was ist riskanter: Vaping von Nikotin oder Cannabidiol?

Eine weitere häufige Annahme oder Hoffnung von Konsumenten ist die, dass Vaping halb so wild sei, wenn es wenigstens ohne Nikotin auskomme. Auch das erweist sich leider als nicht zutreffend. Zum einen konnten viele Studien schädliche Effekte nachweisen, ohne dass überhaupt Nikotin oder Cannabis gedampft wurden (siehe oben). Zum anderen untersuchte eine aktuelle Studie an In-vivo- und In-vitro-Modellen (Mäusen sowie menschlichen Immun- und Atemwegszellen), welche Option für die Lunge und die Immunzellen die toxischere ist: Dampfen von Nikotin oder Cannabidiol (CBD)? Das Ergebnis wird vielleicht manchen überraschen.

Die Modelle waren zwei Wochen lang gefilterter Luft, Nikotin- und CBD-Aerosolen ausgesetzt. Sowohl für CBD als auch für Nikotin waren bereits nach dieser kurzen Zeit schädliche Effekte evident. Das Dampfen von CBD löste jedoch in diesem Experiment eine noch stärkere Entzündungsreaktion aus und führte zu mehr pathologischen Veränderungen in der Lunge als das Dampfen von Nikotin.1 Die CBD-Aerosole schwächten das Immunsystem noch deutlicher, indem sie mehr Neutrophile abtöteten. Auch war eine niedrigere Zahl von pulmonalen Makrophagen nachweisbar, die normalerweise ebenfalls vor Infektionen schützen.2

Eine große methodische Limitation der Studie besteht allerdings darin, dass für das Dampfen von Nikotin und CBD unterschiedliche Lösungsmittel benutzt wurden, deren Schädlichkeit bei Erhitzung nicht separat thematisiert wurde.

Weitere Studien nötig

Die Übertragbarkeit von Tier- und In-vitro-Expositionsmodellen auf die reale Exposition des Menschen ist begrenzt. Für den Moment lässt sich festhalten, dass das Erhitzen von Kohlenwasserstoffen (wie THC/CBD) einfach keine gute Idee ist und dass die Auswirkungen des CBD-Dampfens ein dringendes Thema für weiterführende Untersuchungen wären. Dies verdeutlichen auch aktuelle Trends: Eine landesweite Erhebung in den USA über 20 Jahre hinweg berichtete über einen Anstieg des Cannabiskonsums unter Minderjährigen um 245% bei gleichzeitigem Rückgang des Alkoholkonsums.3 Ebenso ergab eine 2022 im JAMA Pediatrics veröffentlichte Auswertung von Daten aus der PATH-Studie (Population Assessment of Tobacco and Health), dass die meisten rauchenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen derzeit Cannabis und nicht Nikotin konsumieren.3

Daten der CDC (US-amerikanische Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention) zufolge war das verstärkte Auftreten schwerer Vaping-assoziierter Lungenschäden (EVALI) in den USA 2019 auf Vitamin-E-Acetat-Öl (auch Tocopherylacetat genannt) zurückzuführen, welches illegalen Cannabis-Kartuschen massenhaft als Verschnitt-Agens zugesetzt worden war.4

Bedenkliche Entwicklungen 

Allein in den USA konsumierten im Jahr 2022 mehr als 2,5 Millionen Jugendliche Vaping-Produkte. Die meisten (85%) verwenden aromatisierte E-Zigaretten. Fruchtaromen waren am beliebtesten, gefolgt von Bonbon- und Dessert-Aromen, Minze und Menthol. "Diese Zahlen sind schlichtweg inakzeptabel", sagt Lisa Lacasse, Präsidentin des American Cancer Society Cancer Action Network, in einer Pressemitteilung. "Wir können nicht hinnehmen, dass mehr als 2,5 Millionen Kinder durch E-Zigaretten in eine lebenslange Abhängigkeit gelockt werden."5

Ein weiterer CDC-Bericht stellt klar, dass Nikotin kein minderes Problem darstellt. "Der Konsum von Tabakerzeugnissen durch Jugendliche in jeglicher Form, einschließlich elektronischer Zigaretten, ist gesundheitsgefährdend, und die meisten E-Zigaretten enthalten Nikotin, das in hohem Maße süchtig macht, das sich entwickelnde jugendliche Gehirn schädigen und das Risiko einer späteren Abhängigkeit von anderen Drogen erhöhen kann."5

Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt außerdem, dass Vaping mehr DNA-Schäden im Mund auslöst als herkömmliche Zigaretten. Diejenigen, die süße, aromatisierte Pods verwendeten, wiesen die höchsten DNA-Schäden auf, gefolgt von denjenigen, die Frucht- oder Minzaromen nutzten.6
 

Quelle:
  1. Bhat, T. A., Kalathil, S. G., Goniewicz, M. L., Hutson, A. & Thanavala, Y. Not all vaping is the same: differential pulmonary effects of vaping cannabidiol versus nicotine. Thorax 78, 922–932 (2023).
  2. Is Vaping CBD Really Better Than Nicotine? Research Shows CBD Can Be Harmful to Lungs | Immunology. Labroots https://www.labroots.com/trending/immunology/25208/vaping-cbd-worse-nicotine.
  3. Caruana, D. Emerging Patterns of Cannabis Consumption. Vaping Post https://www.vapingpost.com/2023/07/13/emerging-patterns-of-cannabis-consumption/ (2023).
  4. New York State Department of Health Announces Update on Investigation into Vaping-Associated Pulmonary Illnesses. https://www.health.ny.gov/press/releases/2019/2019-09-05_vaping.htm.
  5. CDC survey shows more than 2.5 million young people used electronic cigarettes in 2022, and most were flavored products – Kentucky Health News. https://cidev.uky.edu/kentuckyhealthnews/2022/10/10/cdc-survey-shows-more-than-2-5-million-young-people-used-electronic-cigarettes-in-2022-and-most-were-flavored-products/ (2022).
  6. Tommasi, S., Blumenfeld, H. & Besaratinia, A. Vaping Dose, Device Type, and E-Liquid Flavor are Determinants of DNA Damage in Electronic Cigarette Users. Nicotine Tob Res 25, 1145–1154 (2023).

    letzter Zugriff auf Websites: 14.09.23