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Neue Behandlung der Lungenfibrose in Sicht

Lange Zeit standen Pneumologen interstitiellen Lungenerkrankungen mehr oder weniger machtlos gegenüber. Mit der Einführung antifibrotischer Wirkstoffe hat sich das in den letzten Jahren grundlegend geändert.

Lungenfibrose und ILD – ein Überblick: 

  • Lungenfibrose ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom verschiedener Krankheitsbilder, die zu den sogenannten interstitiellen (ILD) zählen.
  • ILD sind durch unterschiedlich ausgeprägte entzündliche und fibrosierende Komponenten gekennzeichnet.
  • Die häufigste Form der Erkrankung, die idiopathische pulmonale Fibrose (IPF), führt zu einer irreversiblen und fortschreitenden Fibrose des Lungenparenchyms.
  • Davon abzugrenzen ist die progrediente fibrosierende ILD (PF-ILD), die in den Leitlinien auch als progrediente pulmonale Fibrose (PPF) bezeichnet wird. 
  • Die Einführung der antifibrotischen Medikamente Nintedanib und Pirfenidon hat die Therapie der ILD grundlegend verändert.

2 parallele, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien 

Nun hat ein neuer Wirkstoff für Aufsehen gesorgt. Der Phosphodiesterase(PDE)-4B-Hemmer Nerandomilast wurde in zwei aktuellen Phase-3-Studien untersucht:

  • In die FIBRONEER-IPF-Studie wurden 1.177 Patienten mit idiopathischer pulmonaler Fibrose eingeschlossen. Die mittlere Behandlungsdauer mit Nerandomilast betrug 13,3 Monate.
  • In die parallele FIBRONEER-ILD-Studie wurden 1.176 Patienten mit progredienter pulmonaler Fibrose aufgenommen. Die mittlere Behandlungsdauer mit Nerandomilast betrug 14,4 Monate.

In beiden Studien wurden die Patienten im Verhältnis 1:1:1 randomisiert und erhielten entweder Nerandomilast 9 mg, 18 mg oder Placebo – jeweils als Monotherapie oder in Kombination mit Nintedanib (in FIBRONEER-IPF zusätzlich mit Pirfenidon). Primärer Endpunkt war die Veränderung der forcierten Vitalkapazität (FVC) nach 52 Wochen.

Bessere Lungenfunktion unter Nerandomilast im Vergleich zu Placebo 

Bei beiden Indikationen und in beiden Dosierungen führte Nerandomilast zu einem signifikant niedrigeren Abfall der FVC im Vergleich zu Placebo. Bei FIBRONEER-IPF betrug die mittlere Veränderung nach 52 Wochen −114,7 ml unter Nerandomilast 18 mg, −138,6 ml unter Nerandomilast 9 mg und −183,5 ml unter Placebo. Bei FIBRONEER-ILD sank die FVC um 98,6 ml in der 18-mg-Gruppe, um 84,6 ml in der 9-mg-Gruppe und um 165,8 ml in der Placebo-Gruppe.

Das Sicherheitsprofil war in beiden Studien mit dem von Placebo vergleichbar. Die häufigste Nebenwirkung war Diarrhoe, die überwiegend mild ausgeprägt war und auch in Kombination mit Nintedanib beherrschbar blieb. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten dagegen selten auf. 

Der PDE-4B-Inhibitor könnte somit das therapeutische Portfolio bei ILD weiter ausbauen. Vor allem Patienten, die die bereits verfügbaren antifibrotischen Wirkstoffe nicht vertragen oder nicht ausreichend darauf ansprechen, könnten von dem neuen Wirkmechanismus profitieren.

Bleibt die Herausforderung einer frühzeitigen und präzisen Diagnosestellung fibrosierender ILDs. Sie zu erkennen und richtig einzuordnen, ist der erste Schritt hin zu einer besseren Versorgung der Patienten mit wirksamen Substanzen, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und die steigern können.

Quellen:
  1. Maher TM et al. Nerandomilast in Patients with Progressive Pulmonary Fibrosis. N Engl J Med 2025; 392(22): 2203–14.
  2. Richeldi L et al. Nerandomilast in Patients with Idiopathic Pulmonary Fibrosis. N Engl J Med 2025; 392(22): 2193–202.