Erhöhtes Hirntumor‑Risiko nach Schädel‑Hirn‑Trauma Logo of esanum https://www.esanum.de

Zerebrales Tumorrisiko nach Schädel-Hirn-Trauma erhöht

Eine neue US-amerikanische Studie mit Daten von 151 Tsd. Menschen berichtet über ein deutlich erhöhtes Malignomrisiko im ZNS nach Schädel-Hirn-Trauma in der Vorgeschichte.

Hirntumoren nach Schädel‑Hirn‑Trauma häufiger

  • Ein mittelschweres bis schweres Schädel-Hirn-Trauma ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung maligner Hirntumoren verbunden
  • Daher wäre es ggf. sinnvoll, Menschen nach Schädel-Hirn-Trauma im Sinne einer Früherkennung zu überwachen

67 % höheres Hirntumor-Risiko nach mittelschwerem und schwerem SHT

Die aktuelle Auswertung dreier longitudinaler Kohortenstudien, die sich über einen Zeitraum von 24 Jahren erstreckten, stützte sich auf Daten von mehr als 75,7 Tsd. Menschen mit einer Vorgeschichte eines leichten, mittelschweren oder schweren Schädel-Hirn-Traumas (SHT).
Patienten mit Risikofaktoren für , wie Strahlenexposition oder früheren Krebserkrankungen, wurden nicht eingeschlossen.
Das Risiko, einen Hirntumor zu entwickeln, war im Vergleich zu weiteren 75,6 Tsd. alters- und geschlechtsgematchten Kontrollen ohne SHT in der Anamnese signifikant höher.

Patienten nach mittelschwerem bis schwerem SHT hatten ein um 67 % höheres Risiko, an bösartigen Hirntumoren zu erkranken als die Gruppe mit leichtem SHT (Hazard Ratio 1,67; 95 % KI: 1,31–2,12). Das Risiko blieb auch bei einer zusätzlichen Metaanalyse mit Daten aus den beiden anderen Zentren in den USA bestehen (HR 1,57).
Die Wahrscheinlichkeiten bewegen sich jedoch insgesamt in einem niedrigen Bereich. Die Prävalenz maligner Hirntumoren betrug in der Kohorte mit mittelschwerem und schwerem SHT 0,6 %; in der Kontrollgruppe sowie der Gruppe mit leichtem SHT betrug sie demgegenüber 0,4 %.

Sind die Auswirkungen von Schädel-Hirn-Traumata länger oder weitreichender als gedacht?

Frühere Studien desselben Zentrums (Mass General Brigham) beschäftigten sich bereits mit Patienten nach durchgemachtem SHT und fanden Assoziationen zum späteren Auftreten von Angstzuständen,  und anderen psychiatrischen, neurologischen und bemerkenswerterweise kardiovaskulären Erkrankungen. 

Der zugrunde liegende Mechanismus, über den Schädel-Hirn-Traumata das Risiko für Hirntumoren erhöhen, ist noch nicht gut verstanden. Bildgebungsstudien könnten zukünftig nach Zusammenhängen zwischen der Lokalisation des SHT und dem Ort der Tumorentstehung suchen. Das Team möchte außerdem Patienten mit wiederholten Traumata, etwa nach Stürzen, untersuchen. 

„Ich betrachte diese Ergebnisse als alarmierend“, resümiert einer der Studienautoren. Der Fokus müsse sich von der kurzfristigen Genesung hin zu einer lebenslangen vigilanten Betreuung verlagern. „Unsere Arbeit in den letzten fünf Jahren hat gezeigt, dass das SHT eine chronische Erkrankung mit langfristigen Auswirkungen ist.“1

Quellen:
  1. Researchers Find Link Between History of Traumatic Brain Injury and Development of Malignant Brain Tumor. https://www.massgeneralbrigham.org/en/about/newsroom/press-releases/link-between-tbi-history-malignant-brain-tumor-development.
  2. 2. Marini, S. et al. Traumatic Brain Injury and Risk of Malignant Brain Tumors in Civilian Populations. JAMA Netw Open 8, e2528850 (2025).