Medikamente bei Dialyse richtig dosieren: Praxisleitfaden 2026 Logo of esanum https://www.esanum.de

Medikation bei Dialyse: Timing, Dosierung und Interaktionen im Blick

Antihypertensiva, Phosphatbinder, Antibiotika – die Pharmakotherapie bei Dialyse-Patienten ist komplex. Was ist zu beachten? Wann sind Extradosen nötig? Das Wichtigste für die Praxis.

Medikamente bei Dialyse-Patienten

  • Patienten, die ein Nierenersatzverfahren benötigen, sind i. d. R. älter, multimorbid und nehmen mehrere Medikamente ein.
  • Häufig leiden die Patienten zusätzlich an Diabetes mellitus und Hypertonie und werden entsprechend behandelt.
  • Zu den typischen Medikamenten von Dialyse-Patienten zählen Antihypertensiva und Phosphatbinder.
  • Je nach Dialyseverfahren und Eigenschaften der Arzneimittel kann es zu klinisch relevanten Änderungen der Wirkung kommen.
  • Eine ggf. vorhandene Restnierenfunktion muss bei der Medikation beachtet werden.

14 Tabletten pro Tag nehmen Patienten mit Dialyse durchschnittlich ein, so das Ergebnis eines Reviews (doi: ). Denn die meisten Betroffenen leiden unter Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und kardiovaskulären Erkrankungen. Neben nehmen terminal Nierenerkrankte oft Phosphatbinder (gestörter Knochenstoffwechsel), Kaliumbinder (gestörter Säure/Base-Haushalt), Vitaminkomplexe (Vitaminmangel) und Eisen (Anämie) ein.

Einflussfaktoren auf die Medikamentenwirkung

Die Dialyse kann die Pharmakokinetik dieser Arzneimittel beeinflussen. Klinisch relevante Einflüsse sind insbesondere zu erwarten bei:

  • einer geringen Proteinbindung des Arzneistoffes,
  • hohen Dosen bei kleinen Verteilungsvolumina, 
  • niedriger (Rest-)Körperclearance.

Darüber hinaus spielt auch der Zeitpunkt der Applikation relativ zur Dialyse eine Rolle. So sollte die Medikamentengabe für einen stabilen Wirkspiegel möglichst nach der Dialyse erfolgen. Alternativ oder ergänzend kann eine Extradosis an den Dialysetagen appliziert werden. Zu den Medikamenten, bei denen eine zusätzliche Dosis empfohlen wird, gehören bestimmte und Antiinfektiva, Analgetika sowie Sedativa.

Wird dagegen eine hohe Maximalkonzentration über kurze Zeit angestrebt, ist eine Gabe vor der Dialyse zu bevorzugen. Dies betrifft z. B. Aminoglykoside, Daptomycin und Fluorchinolone.

Restnierenfunktion erhalten 

Ziel der Dialyse ist es letztlich, die Mortalität zu senken und eine möglichst hohe Lebensqualität für die Patienten zu erzielen. Dabei spielt die Restnierenfunktion eine wichtige Rolle. Um sie möglichst lange zu erhalten, kann die Diurese mit Schleifendiuretika in hoher Dosierung gefördert werden. Weitere Strategien zur Erhaltung der Restnierenfunktion sind u. a. eine sowie die Vermeidung nephrotoxischer Wirkstoffe.

Bei der Blutdruckmedikation ist zu beachten, dass sie zum Teil an Dialysetagen reduziert oder ausgelassen werden sollte, um eine intradialytische Hypotonie zu vermeiden. Auch Betablocker müssen ggf. angepasst werden, da sie bei der Dialyse unterschiedlich stark ausgewaschen werden. Am höchsten ist die Clearance bei Atenolol, kaum verloren geht dagegen Carvedilol.

Medikation ist Teamwork

Die Medikamentenverordnung bei Dialysepatienten ist eine Teamaufgabe. Neben dem Dialyseteam, einschließlich , sollten sich Hausärzte und weitere Fachärzte wie Kardiologen und Diabetologen daran beteiligen. 

Dosierungshilfen bei chronischer Nierenerkrankung mit Dialysepflicht bieten Online-Portale wie das der oder der der Uni Hohenheim. 

Quelle:
  1. Mitzner, Steffen (Rostock): Medikamentendosierung bei Dialyse. Session Beste Medikamentenwirkung trotz eingeschränkter Nierenfunktion, DGIM-Kongress 2025, Wiesbaden, 03.–06.05.2025.