Bei Patienten mit Niereninsuffizienz gelten für viele Medikamente Einschränkungen und Dosisanpassungen. In der Praxis führt dies häufig dazu, dass gerade schwer kranke Patienten mit dem höchsten Risiko unzureichend therapiert werden. Besonders gravierend ist dies bei Infektionen, die potenziell tödlich verlaufen können.
Dabei ist es oft ganz einfach: Bei schwer kranken Patienten sind Betalaktam-Antibiotika wie Penicilline fast immer die richtige Wahl. Sie weisen bei den meisten Krankheitsbildern die höchste Effektivität bei gleichzeitig guter Verträglichkeit auf.
Auch bei Staphylococcus-aureus-Bakteriämien, die bei CKD gefürchtet sind und mit einer hohen Mortalität einhergehen, wirken Betalaktame zuverlässig und sollten als Standardtherapie eingesetzt werden – und nicht, wie es häufig der Fall ist, das weniger wirksame Vancomycin.
Um die richtige Dosis bei eingeschränkter Nierenfunktion wird häufig gerungen. Ein typischer Fehler: Die Initialdosis wird zu niedrig gewählt. Dabei ist eine Dosisreduktion selbst bei Patienten mit Nierenersatztherapie bei den heutigen modernen, effektiven Dialyseverfahren meist nicht notwendig.
Zu Unsicherheit führt auch, dass vor allem bei älteren und schwer kranken Patienten die Nierenfunktion schwer abzuschätzen ist. Hilfreich ist ggf. die zusätzliche Bestimmung von Cystatin C. Die Treffsicherheit der eGFR kann durch Cystatin-C-basierte Formeln verbessert werden. Sinnvoll ist zudem ein therapeutisches Monitoring (TDM), vor allem bei kontinuierlicher Medikamentengabe.
Insgesamt sollten bei der antiinfektiösen Therapie nierenkranker Patienten folgende Faktoren berücksichtigt werden: