Kardiale ATTR-Amyloidose bei Herzinsuffizienz früh erkennen | DGIM 2026 Logo of esanum https://www.esanum.de

Kardiale ATTR-Amyloidose: Welche Herzinsuffizienz-Patienten Sie jetzt gezielt screenen sollten

Verdickter Herzmuskel, aber kein Hypertonus? Niedervoltage im EKG trotz Hypertrophie? Genau hier wird die kardiale ATTR-Amyloidose im Praxisalltag noch zu oft übersehen. Prof. Ingrid Kindermann erklärt, welche Red Flags Internisten und Hausärzte kennen müssen.

Kardiale ATTR-Amyloidose: Früher erkennen, gezielter handeln

Die kardiale ATTR-Amyloidose gilt längst nicht mehr als seltene Exotendiagnose. Trotzdem werden viele Patientinnen und Patienten weiterhin spät erkannt – häufig erst dann, wenn die Herzinsuffizienz bereits fortgeschritten ist. Entscheidend ist deshalb vor allem eines: im Praxisalltag aktiv daran denken.

Die entscheidende Frage: Passt die Hypertrophie wirklich zum Patienten?

Ein zentraler Hinweis ist laut Prof. Kindermann die linksventrikuläre Hypertrophie ohne klare Ursache. Wenn ein „dickes Herz“ vorliegt, aber weder langjähriger Hypertonus noch eine relevante Aortenklappenstenose die Befunde erklären, sollte gezielt an eine kardiale Amyloidose gedacht werden.

Besonders aufmerksam sollten Internistinnen und Internisten werden, wenn zusätzliche Red Flags auftreten:

  • Karpaltunnelsyndrom
  • Periphere Polyneuropathie
  • Kribbeln oder Schmerzen in Füßen und Beinen
  • Niedervoltage im EKG trotz verdicktem Herzmuskel

Gerade diese Kombinationen werden im hektischen Versorgungsalltag häufig noch nicht konsequent zusammengeführt.

Wahrnehmung steigt – Versorgung bleibt herausfordernd

Die Sensibilität für die Erkrankung habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, so Kindermann. Viele niedergelassene Kolleginnen und Kollegen denken inzwischen gezielt an die kardiale ATTR-Amyloidose.

Die Herausforderung liegt heute häufiger in der praktischen Umsetzung: Echokardiographie, Knochenszintigraphie oder Cardio-MRT stehen zwar zur Verfügung, doch Termine und diagnostische Zugänge bleiben vielerorts ein Engpass. Besonders im hausärztlichen und internistischen Alltag kostet die frühe Abklärung oft Zeit und Koordination.

Der Wendepunkt: Diagnose heute oft ohne invasive Biopsie möglich

Ein wesentlicher Fortschritt der vergangenen Jahre ist die nicht-invasive Diagnostik. Die Diagnose kann heute in vielen Fällen ohne invasive Eingriffe gestellt werden – insbesondere durch die Kombination aus Echokardiographie, Knochenszintigraphie und MRT.

Parallel hat sich auch therapeutisch viel verändert. Während früher kaum gezielte Optionen verfügbar waren, stehen inzwischen verschiedene Therapieansätze zur Verfügung:

  • Stabilizer-Therapien
  • Therapien mit Eingriff in die ATTR-Bildung
  • Neue therapeutische Perspektiven für die kommenden Jahre

Damit wird die frühe Diagnose klinisch deutlich relevanter als noch vor wenigen Jahren.

Was sich im Praxisalltag jetzt konkret ändern sollte

Die wichtigste Botschaft für niedergelassene Internistinnen und Internisten ist laut Kindermann klar: konsequenter screenen.

Wer bei unklarer Hypertrophie, fehlendem Hypertonus oder auffälligem EKG frühzeitig an eine kardiale ATTR-Amyloidose denkt und die Basisdiagnostik einleitet, kann den weiteren Versorgungsweg entscheidend verkürzen. Genau das entlastet am Ende auch die spezialisierten Zentren – und verbessert die Chancen der Patientinnen und Patienten auf eine frühzeitige Therapie.

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Dieser Artikel entstand im Rahmen des 132. DGIM-Kongresses. Weitere Highlights vom DGIM 2026 finden Sie in unserer Kongressberichterstattung.