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Von der Impfung bis zur hypoallergenen Katze: neue Strategien bei Katzenallergie

Eine passionierte Katzenliebhaberin kommt mit Rhinitis, Konjunktivitis und asthmatischen Beschwerden in die allergologische Sprechstunde. Was raten Sie ihr?

Katzensensibilisierung: Zahlen & Fakten

  • Die Prävalenz von Katzensensibilisierungen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Derzeit ist etwa jedes fünfte Kind sensibilisiert. 
  • Das Halten einer Katze wird als Risikofaktor für eine nachfolgende Sensibilisierung angesehen. Besonders bei Kleinkindern im ersten Lebensjahr kann eine hohe Allergenbelastung in der Umgebung zur Sensibilisierung führen.
  • Eine bestehende Sensibilisierung wiederum geht vielen Studien zufolge mit einem erhöhten Risiko für Asthma einher.
  • Es gibt jedoch auch gegenteilige Daten, denen zufolge Katzenbesitz bei Erwachsenen vor der Entstehung von allergischer Rhinitis und Asthma schützen könnte.
  • Darüber hinaus entwickeln manche Katzenbesitzer trotz manifester Sensibilisierung ein Toleranzstadium, was vermutlich auf die Bildung von IgG4-Immunglobulinen bei chronischer, hoher Antigenexposition zurückzuführen ist. 

Es ist nicht einfach bis unmöglich, Katzenbesitzer davon zu überzeugen, Abstand von ihrem Tier zu halten oder sich gar von ihm zu trennen. Das macht die Beratung dieser Patientengruppe so schwierig und oftmals frustrierend. Neben der Allergenkarenz und einer symptomatischen Therapie gibt es bislang kaum Angebote. Zudem haben Studien zur Allergenspezifischen Immuntherapie (AIT) noch keine überzeugenden Ergebnisse gezeigt.

Doch in Zukunft könnte es mehr Optionen für Katzenallergiker geben. Sie setzen zum einen beim Katzenbesitzer, zum anderen beim Tier selbst an.

Biologika gegen Katzenallergene

Hauptallergen und zugleich bedeutendster Biomarker für eine Katzensensibilisierung ist Fel d 1. Derzeit wird an einer passiven Immuntherapie mit humanisierten, rekombinanten, monoklonalen IgG4-Antikörpern geforscht, die gegen das dominante Antigen gerichtet sind. In einer Studie führte die subkutane Applikation einer Antikörperkombination durch Unterbindung der Mastzelldegranulation zu einer deutlichen Verringerung der Symptome einer allergischen Rhinitis. Außerdem konnte die Entwicklung eines allergischen Asthmas dadurch verhindert werden.

Eine Vakzinierung von Katzen ist zwar grundsätzlich ebenso denkbar, aus veterinärmedizinischer Sicht aber eher fragwürdig. Daher fokussieren Ansätze bei der Katze auf ein anderes Ziel: das Futter. Zugesetzte IgY-Antikörper gegen Fel d 1 im Katzenfutter werden im Darm resorbiert und gelangen über das Blut in die Speicheldrüsen der Katze. Mit dem Speichel werden sie beim Lecken auf das Fell übertragen und neutralisieren dort das Antigen. So konnte der Gehalt an Fel d 1 auf Katzenhaaren und Hautschuppen nach dreiwöchiger Fütterung reduziert werden, was in der Folge bei den allergischen Katzenbesitzern die Symptome besserte. Es könnte der erste Schritt auf dem Weg zur „hypoallergenen Katze“ sein.

Diätmanagement: Lutschtabletten gegen Allergien 

Zurück zum Halter: Auch bei ihm könnte sich eine Ernährungsstrategie bezahlt machen. Sie setzt beim sogenannten Bauernhofeffekt an, demzufolge das Protein Beta-Lactoglobulin (BLG) in der Stallluft und in roher Kuhmilch protektiv gegen Allergien wirkt. Lutschtabletten mit BLG haben in Studien bereits Wirkung gezeigt, auch bei Pollen- und Hausstaubmilbenallergie. Die Supplementierung könnte somit zu einer allergenunspezifischen Therapieoption bei verschiedenen Allergieformen werden. 

Bis es so weit ist und die neuen Methoden in der Praxis angekommen sind, bleiben für die Beratung von Katzenallergikern in der allergologischen Sprechstunde die üblichen Empfehlungen:

  • Aufklärung über die möglichen Konsequenzen einer fortgeführten Exposition (Progression des Krankheitsgeschehens), vor allem bei Patienten mit atopischem Risiko
  • Aufklärung über die hohe Persistenz von Fel d 1-Allergenen auf Textilien, Möbeln und generell in Wohnungen, die von Katzen bewohnt werden oder wurden
  • Beratung zur Textilhygiene und zum Einsatz von Luftfiltergeräten
  • Verordnung von Antihistaminika und ggf. eines Asthmasprays bei Bedarf
Quelle:
  1. Jensen-Jarolim E et al. Allergie gegen die Katze. Vom Diagnosegespräch zum Management. HNO-Nachrichten 2015; 55(1): 30-36.