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Berberin – Effekte auf Magen- und Leberkrebs

Berberin kommt in einigen Heilpflanzen vor und kann in viele physiologische Vorgänge eingreifen. Ein aktuelles Review fasst die neuesten Studienergebnisse zur Wirksamkeit des Pflanzenstoffes bei Magen- und Leberkrebs zusammen.

Das sollten Sie zu Berberin wissen:

  • Berberin wird traditionell in der chinesischen Medizin angewendet.
  • Es hat antioxidative, cholesterinsenkende, gewichtsregulierende und antimikrobielle Eigenschaften und ist auch wirksam bei Diabetes und Entzündungen.
  • Klinische Studien wurden durchgeführt, um die Wirksamkeit auf verschiedene Krebsarten zu untersuchen.
  • Der Pflanzenstoff scheint durch unterschiedliche Signalwege das Wachstum von Magenkrebs zu reduzieren und die Krebszellen sensibler für verschiedene Medikamente im Rahmen der Chemotherapie zu machen.
  • In Studien zeigte sich ein präventiver Effekt auf die Entwicklung von Leberkrebs, indem Berberin die Vorstufen der Erkrankung inhibiert. 

Teil der traditionellen chinesischen Medizin

Berberin kommt in einigen Pflanzen wie der Berberitze oder der Orangenwurzel vor. Es wird schon sehr lange in der östlichen Medizin zur Behandlung von verschiedenen Krankheiten angewendet. Der Pflanzenstoff steht im Fokus vieler Studien, in denen seine Wirkung untersucht wurde. Bekannt ist, dass die Einnahme verschiedene bioaktive Reaktionen anstößt, zum Beispiel antientzündliche, antimikrobielle, antidiabetische oder gewichtssenkende. 

Viele Wissenschaftler interessieren sich darüber hinaus für die Wirkung auf diverse Arten von Krebs. Ein kürzlich veröffentlichtes Review hat den aktuellen Stand der Forschung zusammengefasst. 

Positive Wirkung auf Magenkrebs im Mausmodell

Mehrere präklinische Studien haben gezeigt, dass Berberin auf einige Signalwege der Magenkrebszellen einwirkt und so den Tumor und sein Wachstum hemmt:

  • Es blockiert die Proliferation von SGC-7901-Zellen und stoppt den Zellzyklus in der G1-Phase.
  • Eine weitere Studie zeigte sowohl in-vitro als auch in-vivo, dass der Stoff die Proliferation von Krebszellen und die IL-8-Ausschüttung hindert, indem er den MAPK-Signalweg deaktiviert.
  • In einer anderen wissenschaftlichen Studie konnte belegt werden, dass die Einnahme die Phosphorylierung von EGFR unterbindet und so die STAT3-Signalkaskade stoppt, was zu einer reduzierten Apoptose und Expression von Zellzyklus-Proteinen wie Bcl-xL und Cyclin-D1 führt.
  • Eine mögliche Theorie: die Autophagie von Krebszellen wird gefördert. So konnte nachgewiesen werden, dass der Stoff über eine Inhibition der mTOR-, Akt- und MAPK-Signalwege zu einer Autophagie von BGC-823-Zellen führte.
  • Zusätzlich scheint die Expression von circRNA beeinflusst zu werden und so das Tumorwachstum gehemmt zu werden. 

Sensibilisierung der Tumorzellen für Chemotherapie

Berberin scheint, neben seiner direkten Wirkung auf die mit der Magenkrebserkrankung verbundenen Signalkaskaden, auch zu einer erhöhten Sensibilisierung der Tumorzellen für gewisse Chemotherapeutika zu führen. So könnte die Wirksamkeit von Cisplatin, Erlotinib, Cetuximab und Evodiamin verbessert und unterstützt werden.

Auch positive Effekte auf Leberkrebs

Neben der Bedeutung für Magenkrebs, ist – im präklinischen Setting – der Wirkstoff auch in Bezug auf das Leberkarzinom untersucht worden. Insbesondere die Zellproliferation scheint hier der Angriffspunkt zu sein:

  • Er inhibiert SLC1A5 in-vitro, was zu einer Hemmung der Zellproliferation von Hep3B- und BEL-7404-Zellen führt.
  • In höheren Konzentrationen könnte der Wirkstoff die Proliferation von HepG2-Zellen führen und den Zellzyklus in der G1-Phase stoppen.
  • In einer Studie wurde gezeigt, dass Berberin den intrazellulären ROS-Spiegel anhob, die mitochondriale Membranspannung reduzierte und dann die Apoptose von Tumorzellen verursachte.
  • Die Kombination von Berberin und Sorafenid hemmte die Zellproliferation der Krebszellen und führte zum Niedergang der Tumorzellen.

Leberkrebs verhindern

In Bezug auf Leberkrebs könnte Berberin auch eine präventive Wirkung haben, indem es auf die Vorläufer der Erkrankung, wie zum Beispiel die alkoholische oder nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, wirkt und das Fortschreiten der Erkrankungen hemmt. Dies geschieht über eine Modulierung des Mikrobioms im Verdauungstrakt. So führte zum Beispiel eine erhöhte Besiedelungsdichte von Clostridiales, Lactobacillaceae und Bacteriodale zu einem Anstieg des intestinalen Farnesoid-X-Rezeptors und des FGF15. Dies wiederum hatte eine Verbesserung der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung zur Folge. 

Durch eine bessere Besiedelungsdichte von Akkermansia muciniphila konnte zudem ein leberprotektiver Effekt bei alkoholischer Fettleber nachgewiesen werden. 

Fazit für die Praxis

Berberin scheint das Potential zu haben, den Verlauf von Magen- und Leberkrebs positiv zu beeinflussen. Auch andere Arten von Krebs zeigen gute Reaktionen auf den Heilstoff. Aktuell befindet sich die Forschung noch im präklinischen Stadium. Eine Supplementation der Behandlung mit dem Nahrungsergänzungsmittel Berberin kann jedoch für manche Patienten hilfreich sein. Studien berichten über eine insgesamt gute Verträglichkeit.
 

Quelle:

Xiong RG et al: Anticancer Effects and Mechanisms of Berberine from Medicinal Herbs: An Update Review. Molecules. 2022 Jul 15;27(14):4523. doi: 10.3390/molecules27144523. PMID: 35889396; PMCID: PMC9316001.