Addendum zur Hepatitis-B-Leitlinie auch nützlich bei Hepatitis D Logo of esanum https://www.esanum.de

Neue Therapie gegen Hepatitis D: Addendum zur Hepatitis-B-Leitlinie klärt auf

Alle HBsAg-positiven Personen sollen auf Hepatitis D untersucht und ggf. behandelt werden. Das ist die Kernbotschaft des neuen Addendums zur S3-Leitlinie Hepatitis B.

Was Sie zur Hepatitis D wissen sollten:

Wie wirkt Bulevirtid?

Damit hat pegyliertes Interferon alfa (PEG-IFN) Konkurrenz bekommen. Es ist für die Behandlung der Hepatitis B zugelassen und weist als bislang einziges Mittel auch eine antivirale Wirksamkeit gegen HDV auf, indem es die HDV-RNA destabilisiert. Bulevirtid dagegen hemmt die Bindung von HBsAg an den Zelleintrittsrezeptor NTCP und versperrt damit eine Eintrittspforte für HDV in Hepatozyten. Es wird in einer Dosis von 2 mg täglich subkutan injiziert.

Erste Real-World-Daten bestätigen inzwischen die Wirksamkeit aus klinischen Studien. Die Ansprechraten übertreffen mit ca. 50% die von PEG-IFN. Gleichzeitig ist der neue Wirkstoff besser verträglich und auch bei kompensierter Zirrhose sicher anzuwenden.

Wer soll wie auf Hepatitis D getestet werden?

All dies hat die Leitlinien-Autoren unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) dazu bewogen, die Empfehlungen zur HDV-Koinfektion bei Hepatitis B zu ergänzen. Sie plädieren einhellig für dieTestung HBsAg-positiver Personen auf HDV-Antikörper (anti-HDV) und ggf. HDV-RNA. Bei positivem Befund soll die Möglichkeit einer antiviralen Therapie geprüft werden.

Um den behandelnden Ärzten die Entscheidungsfindung zu erleichtern, werden die Vor- und Nachteile von Bulevirtid, PEG-IFN sowie einer Kombinationstherapie in einer Tabelle anschaulich gegenübergestellt. 

Wie lange erfolgt die Behandlung mit Bulevirtid?

Neben den fehlenden Langzeitdaten für Bulevirtid ist noch unklar, wie lange die Behandlung beibehalten werden sollte. Aktuell ist sie als Dauertherapie konzipiert, was sie im Vergleich zu PEG-IFN mit einer begrenzten Therapiedauer von 48 Wochen eher unattraktiv macht und die Compliance schmälern könnte.

Eine Kombinationstherapie wiederum könnte synergistische Effekte mit sich bringen und im besten Fall einen HBsAg-Verlust bewirken. Noch sind die Daten allerdings unzureichend, sodass die Autoren lediglich eine Kann-Empfehlung im Einzelfall ausgesprochen haben.

So sind nach wie vor viele Fragen offen, wie im Addendum abschließend aufgeführt: Welche Langzeiteffekte hat die Therapie mit Bulevirtid? Wie sicher ist die Behandlung in der Schwangerschaft? Und: Kann die Hepatitis D damit geheilt werden? Diese Fragen sind Gegenstand der laufenden Forschung.

Fazit für die Praxis

Neue Therapieoptionen verändern das Management von Patienten mit Hepatitis B. Künftig sollen alle HBsAg-Träger auf eine mögliche HDV-Koinfektion untersucht werden. Die behandelnden Ärzte, allen voran Gastroenterologen, sollten sich spätestens jetzt mit der Anwendung von Bulevirtid vertraut machen.
 

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