- Ayoade OF, Caturegli G, Canavan ME, Resio BJ, Berger ER, Boffa DJ. Use of Complementary and Alternative Medicine in the Management of Breast Cancer. JAMA Netw Open. 2026;9(3):e260337. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.0337
Die Autoren werteten Daten der US-amerikanischen National Cancer Database aus. Eingeschlossen wurden Frauen, bei denen zwischen 2011 und 2021 ein Mammakarzinom diagnostiziert worden war. In die finale Analyse gingen 2.157.219 Patientinnen mit vollständigen Angaben zur Behandlung ein. Das mediane Alter lag bei 62 Jahren.
Die onkologische Standardtherapie umfasste in der Studie Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, endokrine Therapie und Immuntherapie. CAM wurde in der Datenbank als Behandlung durch nichtmedizinisches Personal erfasst, sofern dies in der Krankenakte dokumentiert war. Falls Patientinnen CAM nutzten, ohne dies dem behandelnden Arzt mitzuteilen, wurde dies folglich nicht erfasst.
Auf dieser Basis unterschieden die Autoren vier Gruppen: ausschließlich onkologische Standardtherapie, CAM allein, CAM zusätzlich zu mindestens einer onkologischen Therapie sowie keine nachweisliche Behandlung.
Statistisch zeigte eine sehr niedrige dokumentierte CAM-Nutzung:
Für das Überleben ergab sich folgendes Bild:
Dieser Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren bestehen, darunter Alter, Tumorstadium, Komorbiditäten und Versicherungsstatus.
Verglichen mit alleiniger onkologischer Standardtherapie waren alle anderen Gruppen mit einer höheren Mortalität assoziiert: Bei CAM allein lag die adjustierte Hazard Ratio bei 3,67, bei Patientinnen ohne belegte Behandlung bei 3,53. Auch die Kombination aus CAM und onkologischer Therapie war mit einer höheren Mortalität verbunden als die alleinige Standardtherapie. Der Unterschied war weniger ausgeprägt als bei CAM allein, blieb aber statistisch sichtbar. Die adjustierte Hazard Ratio betrug 1,45.
Die höhere Mortalität in der Kombinationsgruppe wirft die Frage auf, ob die onkologische Behandlung in dieser Gruppe im gleichen Umfang umgesetzt wurde wie bei Patientinnen mit alleiniger Standardtherapie. Die Autoren prüften deshalb, welche Therapieformen in den einzelnen Tumorstadien dokumentiert waren.
Am deutlichsten zeigte sich der Unterschied bei der Strahlentherapie: Sie wurde in den Stadien I bis III deutlich häufiger bei Patientinnen mit alleiniger Standardtherapie durchgeführt als bei Patientinnen mit CAM plus onkologischer Therapie. Auch Operationen wurden in den frühen Stadien häufiger in der Standardtherapie-Gruppe erfasst; der Unterschied war jedoch weniger ausgeprägt als bei der Radiatio.
Für Chemotherapie und antihormonelle Therapie zeigte sich dagegen kein durchgängig gleiches Muster über diese drei Stadien. Bei Patientinnen mit Stadium-IV-Erkrankung fanden sich keine signifikanten Unterschiede bei einzelnen Therapieformen.
Die Studie sollte nicht als pauschales Argument gegen komplementäre Verfahren interpretiert werden. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass Ansätze wie Akupunktur, Massage oder Mindfulness-basierte Verfahren in der Onkologie zur Symptomkontrolle und Verbesserung der Lebensqualität untersucht werden.
Zudem lässt sich aus der Analyse nicht ableiten, ob komplementäre Verfahren bei einer vollständig durchgeführten Standardtherapie einen klinischen Nutzen haben, schädlich sind oder keinen Einfluss zeigen.
Für die Praxis bleibt wichtig: CAM sollte früh und offen angesprochen werden, weil Patientinnen solche Verfahren möglicherweise nutzen, ohne dies explizit zu erwähnen. Entscheidend ist dann, gemeinsam zu klären, welche Verfahren vertretbar sind – und zugleich darauf zu achten, dass indizierte onkologische Therapien nicht zugunsten von CAM zurückgestellt werden.