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Brustkrebs: Luftverschmutzung zusätzliches Risiko für das Herz?

Eine US-Studie hat geprüft, ob Feinstaub und Ozon am Wohnort unter potenziell kardiotoxischer Krebstherapie zusätzlich mit kardialem Remodeling und Herzfunktionsstörungen bei Brustkrebs-Patientinnen verbunden sind.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Luftschadstoffen und Herzfunktion

  • In die Analyse gingen 580 Brustkrebs-Patientinnen ein, die Anthrazykline und/oder Trastuzumab erhielten.
  • Im Verlauf wurden 3.642 Echokardiografien zentral ausgewertet.
  • 99,8 % der Teilnehmerinnen waren PM2,5-Werten oberhalb des WHO-Richtwerts ausgesetzt.
  • PM2,5-Feinstaub und Ozon waren mit ungünstigeren Veränderungen von Herzstruktur und systolischer Funktion verbunden.
  • Bei den höchsten PM2,5- und Ozonwerten am Wohnort war das Risiko für eine kardiale Dysfunktion etwa doppelt so hoch wie bei den niedrigsten Werten.

Für die prospektive Kohortenstudie wurden Daten von 580 Brustkrebs-Patientinnen ausgewertet, die zwischen 2010 und 2018 eine Therapie mit Doxorubicin und/oder Trastuzumab erhielten. Das mediane Alter der Teilnehmerinnen lag bei 50 Jahren.

Die Autoren ordneten den Patientinnen die mittleren Luftschadstoffwerte ihres Wohnbezirks zu, jeweils für die drei Jahre vor Beginn der Krebstherapie. Im Einzelnen wurden Werte für Feinstaub mit einem Durchmesser von höchstens 2,5 µm, kurz PM2,5, gröberen Feinstaub PM10, Stickstoffdioxid und Ozon berücksichtigt.

Auffällig war: 99,8 % der Teilnehmerinnen lebten in Wohnbezirken, in denen die PM2,5-Werte über dem Richtwert der Weltgesundheitsorganisation von 5 µg/m³ lagen.

Die Herzfunktion wurde anhand von Echokardiografien vor Therapiebeginn und im Verlauf beurteilt Ausgewertet wurden zum einen einzelne Parameter wie die Ejektionsfraktion, die Volumina sowie die Masse der linken Herzkammer. Zum anderen prüften die Autoren den Endpunkt kardiale Dysfunktion; diese war definiert als ein Abfall der Ejektionsfraktion der linken Herzkammer um mindestens 10 Prozentpunkte, sodass sie unter 50 % sank.

Ungünstigere Herzecho-Befunde bei hohen PM2,5- und Ozonwerten

Die deutlichsten Zusammenhänge zwischen kardialen Veränderungen und den untersuchten Umweltfaktoren zeigten sich für höhere PM2,5- und Ozonwerte:

  • Bei höherer PM2,5-Belastung sank die linksventrikuläre Ejektionsfraktion im Verlauf stärker. Beim Vergleich zwischen Patientinnen in Regionen mit den niedrigsten versus den höchsten Feinstaubwerten lag die Ejektionsfraktion im Mittel um 1,3 Prozentpunkte niedriger. Gleichzeitig zeigten sich Hinweise auf ungünstige strukturelle Veränderungen am linken Ventrikel und eine nachlassende systolische Funktion.
  • Für Ozon fand sich ein ähnliches Muster. Verglichen über den Abstand vom unteren zum oberen Quartil der Ozonwerte lag die Ejektionsfraktion im Verlauf im Mittel um 1,4 Prozentpunkte niedriger. Auch hier zeigten sich Hinweise auf ungünstige strukturelle Veränderungen am linken Ventrikel und eine nachlassende systolische Funktion.

Für PM10 fanden die Autoren keine vergleichbaren ungünstigen Zusammenhänge. Stickstoffdioxid war zwar in einzelnen Echo-Auswertungen mit ungünstigeren Befunden verbunden, insgesamt waren die Ergebnisse aber weniger einheitlich als bei PM2,5 und Ozon.

Kardiale Dysfunktion bei hohen PM2,5- und Ozonwerten häufiger

Neben den einzelnen Echokardiografie-Parametern werteten die Autoren auch den definierten Endpunkt kardiale Dysfunktion aus. Im medianen Follow-up von 3,1 Jahren entwickelten 17,1 % der für diesen Endpunkt auswertbaren Patientinnen eine kardiale Dysfunktion. Der mediane Zeitpunkt bis zu diesem Ereignis lag bei 0,7 Jahren.

Je nach Schadstoff zeigten sich folgende Resultate:

  • Bei den niedrigsten PM2,5-Werten am Wohnort entwickelten 11,0 % der Patientinnen eine kardiale Dysfunktion. Bei den höchsten PM2,5-Werten waren es 25,5 %. Nach Adjustierung für klinische und soziodemografische Faktoren lag das Risiko in der höchsten PM2,5-Kategorie etwa doppelt so hoch wie in der niedrigsten.
  • Ein vergleichbarer Zusammenhang zeigte sich für Ozon: Bei den niedrigsten Ozonwerten entwickelten 10,4 % der Patientinnen eine kardiale Dysfunktion, bei den höchsten Werten 24,5 %. Auch hier lag das adjustierte Risiko etwa doppelt so hoch.
  • Für PM10 und Stickstoffdioxid zeigte sich dagegen kein signifikanter Zusammenhang mit kardialer Dysfunktion.

Einordnung der Ergebnisse

Bei Brustkrebs-Patientinnen unter Doxorubicin und/oder Trastuzumab waren höhere PM2,5- und Ozonwerte am Wohnort mit ungünstigeren Herzbefunden verbunden. Dazu zählten eine niedrigere systolische Funktion, Hinweise auf linksventrikuläres Remodeling und ein höheres Risiko für kardiale Dysfunktion.

Eine gesicherte Kausalaussage lässt die Studie nicht zu. Die Schadstoffbelastung wurde über den Wohnbezirk geschätzt und nicht individuell gemessen. Dennoch spricht die Analyse dafür, dass Luftverschmutzung als möglicher zusätzlicher Risikofaktor bei Patientinnen unter potenziell herzschädigender Brustkrebstherapie mehr Beachtung verdient.

Quelle
  1. Jung W, Ko K, Smith AM, et al. Air Pollution and Cardiac Remodeling and Function in Patients With Breast Cancer. JAMA Netw Open. 2026;9(1):e2552323. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.52323 (letzter Zugriff: 27.10.2026).