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MDMA: Neue Hoffnung für Jugendliche mit PTBS?

Ist die MDMA-Therapie eine Option für 15-17-jährige Jugendliche mit PTBS? In der Forschung werden die Risiken und die Wirksamkeit der Behandlung untersucht, inklusive der ethischen Herausforderungen.

Übersetzt aus dem Italienischen

Posttraumatische Belastungsstörung bei Heranwachsenden

Die Zulassung der MDMA-unterstützten Therapie (Englisch: MDMA assisted psychotherapy; MDMA-AP) für die Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen bei Erwachsenen scheint unmittelbar bevorzustehen. Ein entscheidender Punkt ist jedoch die Ausweitung dieser Therapie auf Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) bei Jugendlichen sind ein erhebliches Problem, denn Millionen von jungen Menschen kämpfen mit den lähmenden Symptomen dieser Erkrankung. Behandlungen wie die kognitive Verhaltenstherapie und EMDR (Eye Movement Desensitisation and Reprocessing), die sich bei Erwachsenen als wirksam erwiesen haben, sind nicht immer für die besonderen Bedürfnisse von Jugendlichen geeignet. Die Adoleszenz ist eine entscheidende Entwicklungsphase, die durch einzigartige Herausforderungen in Bezug auf Identität, Unabhängigkeit und soziale Beziehungen gekennzeichnet ist. All diese Faktoren können die Behandlung von PTBS erschweren.

Die potenziellen Risiken der innovativen Therapie und die Überlegungen, die mit der Anwendung und Anpassung von MDMA-AP bei Jugendlichen mit PTBS verbunden sind, wurden von Dr. Samuli Kangaslampi, Psychologe und derzeit Forscher der Abteilung für Neuropsychologie und Psychopharmakologie an der Universität Maastricht (Niederlande), auf der INSIGHT 2023 vorgestellt.

MDMA: eine potenzielle Revolution in der Behandlung von PTBS bei Heranwachsenden?

Die MDMA-Therapie entwickelt sich zu einer potenziell revolutionären Behandlungsoption der PTBS. Im Gegensatz zum Freizeitkonsum von MDMA beinhaltet die MDMA-Therapie die kontrollierte und überwachte Einnahme der Substanz in einem therapeutischen Umfeld. MDMA (3,4-Methylendioxymethamphetamin) ist ein Amphetamin-Analogon mit stimulierender und halluzinogener Wirkung. MDMA wirkt hauptsächlich auf Neuronen, die Serotonin produzieren und freisetzen, aber auch auf dopaminerge Neuronen. MDMA für den Freizeitkonsum wird in der Regel in Pillenform eingenommen; die Wirkung setzt 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme ein und hält in der Regel 4-6 Stunden an. Zu den Wirkungen von MDMA gehören die Verringerung von Angstzuständen, eine geringere Reaktionsfähigkeit auf Stress sowie ein gesteigertes Selbstvertrauen und Einfühlungsvermögen. Diese Wirkungen könnten für Jugendliche, die an einer PTBS leiden, besonders vorteilhaft sein.

Einer der entscheidenden Aspekte der MDMA-Therapie ist die Fähigkeit, die Vermeidung von traumatischem Material zu reduzieren (die Vermeidung von Gedanken, Gefühlen, Gesprächen, Aktivitäten, Orten oder Personen, die Erinnerungen an das Trauma hervorrufen). Viele Menschen mit PTBS versuchen, schmerzhafte Erinnerungen und Situationen im Zusammenhang mit ihrem Trauma zu vermeiden, aber dieses Verhalten kann den Heilungsprozess behindern. MDMA kann es ihnen hingegen ermöglichen, sich mit dem traumatischen Material auf direktere und weniger belastende Weise auseinanderzusetzen und so den Weg für eine tiefere Heilung zu ebnen.

Darüber hinaus könnte die MDMA-Therapie die therapeutische Allianz, ein entscheidendes Element bei jeder Behandlung von PTBS, erheblich verbessern. Jugendliche, insbesondere solche mit früh erlebten Traumata oder Erfahrungen von Verrat, haben möglicherweise Schwierigkeiten, Therapeuten zu vertrauen und eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. MDMA kann den Aufbau einer stärkeren therapeutischen Beziehung erleichtern, indem es die Empathie und das Vertrauen zwischen Patient und Therapeut erhöht.

Ein weiterer potenzieller Vorteil der MDMA-Therapie ist die Fähigkeit, Ängste und emotionale Widerstände abzubauen. Dies ist besonders wichtig für junge Patienten mit PTBS, die im Zusammenhang mit ihren Traumata oft unter starken Ängsten leiden. MDMA kann es ihnen ermöglichen, traumatische Erinnerungen sicherer und offener zu erforschen und so mehr Verständnis und Heilung zu kultivieren.

Das ist bei der Therapie mit MDMA zu beachten

Bei der Verabreichung von MDMA an Jugendliche sind jedoch wichtige ethische und sicherheitstechnische Aspekte zu berücksichtigen. So sind beispielsweise die langfristigen Auswirkungen von MDMA auf das sich entwickelnde Gehirn noch nicht ausreichend erforscht, und es bestehen Bedenken hinsichtlich eines möglichen Missbrauchs der Substanz. Es ist wichtig, strenge klinische Studien durchzuführen, um die Sicherheit und Wirksamkeit der MDMA-Therapie bei jungen Patienten zu bewerten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der vorübergehende Charakter der Wirkung von MDMA. Im Gegensatz zu lang wirkenden Psychopharmaka hat MDMA eine kurzfristige Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Dies kann insofern ein Vorteil sein, als sich die jungen Patienten keine Sorgen über die langfristigen Nebenwirkungen machen müssen, die bei vielen anderen Drogen auftreten. Es bedeutet aber auch, dass die MDMA-Therapie mehrere Sitzungen im Verlauf der Behandlung erfordert. Dies kann den Therapeuten mehr Möglichkeiten bieten, mit den Patienten zu arbeiten und Traumata eingehend zu behandeln.

Die MDMA-Therapie kann als Ergänzung zu bestehenden Behandlungsmethoden für PTBS bei Jugendlichen betrachtet werden. Zwar sind kognitive Verhaltenstherapien und andere herkömmliche Therapien oft wirksam, die MDMA-Therapie könnte jedoch eine andere und möglicherweise tiefergehende Art des Umgangs mit Traumata bieten.

MDMA zur Therapie: Überwiegen Risiken oder der Nutzen?

Selbstverständlich gibt es Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung von MDMA und MDMA-AP speziell bei Jugendlichen, die einer sorgfältigen Bewertung bedürfen. Dr. Samuli Kangaslampi erwähnt akute physiologische Risiken, wie z. B. Veränderungen der Herzfrequenz und des Blutdrucks, betont aber, dass diese bei sorgfältiger Planung und strenger Patientenauswahl minimiert werden können. Darüber hinaus weist Dr. Samuli Kangaslampi auf die Herausforderungen hin, die mit der hohen Emotionalität von Jugendlichen, ihrer begrenzten Fähigkeit zur Emotionsregulierung und der erhöhten Neigung zu riskantem und impulsivem Verhalten verbunden sind. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, schlägt er vor, sich bei der Gestaltung der psychotherapeutischen Komponente von MDMA-AP für diese Altersgruppe von bestehenden traumafokussierten Behandlungen für Jugendliche, einschließlich TF-CBT, PE-A und KidNET, inspirieren zu lassen.

MDMA-AP: Strenge und spezifische Forschung ist erforderlich

Dr. Samuli Kangaslampi betont, wie wichtig es ist, verlässliche Studien mit hohen ethischen Standards durchzuführen, um die Sicherheit, Durchführbarkeit und Wirksamkeit von MDMA-AP bei Jugendlichen zu bewerten. Ein solcher Ansatz ist dem Off-Label-Use oder der Extrapolation von Ergebnissen aus Studien, die an Erwachsenen durchgeführt wurden, vorzuziehen. Diese strenge Forschung ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass traumatisierte Jugendliche die notwendige Behandlung erhalten und gleichzeitig ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden geschützt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Möglichkeit, die MDMA-unterstützte Therapie auf Jugendliche auszuweiten, ein Thema von zunehmender Bedeutung ist. Diese Option bietet zwar erhebliche Chancen für die Behandlung von PTBS bei Jugendlichen, doch müssen die spezifischen Risiken und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Anwendung dieser Therapie in dieser Altersgruppe sorgfältig bewertet werden. Zukünftige Forschungen, die mit Strenge und unter Beachtung ethischer Standards durchgeführt werden, werden entscheidend sein, um festzustellen, ob MDMA-AP tatsächlich eine wirksame und sichere Lösung für traumatisierte Jugendliche, die sie benötigen, bieten kann.

Weitere Highlights von der INSIGHT 2023 finden Sie in unserer Kongressberichterstattung.

Referenzen:
  1. Dr. Samuli Kangaslampi. MDMA-Assisted Psychotherapy for PTSD in Adolescents? Rationale, Potential, Risks, Considerations. INSIGHT 2023.  01/09/2023 11:30-12:00.