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Neurodermitis im Vorschulalter: Neue Optionen von der Creme bis zum Biologikum

Nichtsteroidale Cremes ab zwei Jahren, weniger Asthma unter Dupilumab, Biologika als Therapie auf Zeit: Was sich bei Atopischer Dermatitis (AD) im Vorschulalter gerade ändert.

Ein Fall aus der Praxis: Die Mutter eines knapp vierjährigen Jungen mit schwerer atopischer Dermatitis fragt nach einer Systemtherapie. Welche Optionen gibt es? Können Medikamente die Entwicklung von Asthma oder anderen Begleiterkrankungen beeinflussen? Und wird das Wachstum ihres eher kleinen Sohnes darunter leiden?

Neurodermitis im Vorschulalter: Optionen von der Creme bis zum Biologikum

Neue nichtsteroidale Topika, Hinweise auf weniger Begleiterkrankungen unter früher Systemtherapie und ein pragmatischer Ansatz zum Ausschleichen von Biologika: Prof. Dr. Lawrence F. Eichenfield aus San Diego gab auf dem Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) in Wien ein Update zur Behandlung der atopischen Dermatitis bei Vorschulkindern.

Nichtsteroidale Topika: Zulassungen ab zwei Jahren

In den USA haben Behörden die Anwendungsmöglichkeiten mehrerer nichtsteroidaler Wirkstoffe auf jüngere Kinder ausgeweitet: Ruxolitinib-Creme 1,5% ab zwei Jahren, Roflumilast-Creme 0,05% für Zwei- bis Fünfjährige und Tapinarof-Creme 1% ab zwei Jahren. Ruxolitinib und Roflumilast wurden dabei bei leichter bis mittelschwerer AD untersucht; für Roflumilast 0,05% laufen bereits Studien ab sechs Monaten. Die neue pädiatrische AD-Leitlinie der American Academy of Dermatology empfiehlt alle drei Substanzen ab zwei Jahren mit hoher Empfehlungsstärke und hoher Evidenzsicherheit.(1)

Topischer JAK-Inhibitor zeigt gute Wirkung

In der Phase-III-Studie TRuE-AD3 mit 288 Zwei- bis Elfjährigen mit leichter bis mittelschwerer AD und 3 bis 20% betroffener Körperoberfläche erreichten unter Ruxolitinib-Creme 1,5% zweimal täglich nach acht Wochen 56,5% einen IGA-Therapieerfolg mit erscheinungsfreier oder fast erscheinungsfreier Haut sowie eine Verbesserung um mindestens zwei Grade, gegenüber 10,8% unter Vehikel. Ein EASI-75 erreichten 67,2% versus 15,4%.(2) Hinweise auf systemische JAK-Effekte fanden sich nicht.

Für Europa ist zu beachten: Ruxolitinib-Creme wurde in der EU 2026 für Erwachsene mit mittelschwerer AD zugelassen.(3)

Topischer PDE4-Hemmer mit versprechendem Effekt

Roflumilast-Creme 0,05% einmal täglich führte in INTEGUMENT-PED bei Zwei- bis Fünfjährigen mit leichter bis mittelschwerer AD nach vier Wochen bei 25,4% zum vIGA-AD-Therapieerfolg, gegenüber 10,7% unter Vehikel. Ein EASI-75 erreichten 39,4% versus 20,6%. Brennen oder Stechen mit Unbehagen wurde zu allen Zeitpunkten bei höchstens 0,7% berichtet.(4)

Dupilumab: Hinweise auf weniger Asthma und allergische Rhinitis

Dupilumab ist für AD bereits ab sechs Monaten zugelassen. Weitere Biologika und JAK-Inhibitoren kommen je nach Alter, Region und Zulassungsstatus erst bei älteren Kindern beziehungsweise Jugendlichen infrage; eine Ausnahme ist Baricitinib, das in der EU ab zwei Jahren zugelassen ist.

Für Dupilumab gibt es Beobachtungsdaten, die auf ein geringeres Risiko atopischer Begleiterkrankungen hindeuten. In einer retrospektiven Kohortenstudie mit US-Versorgungsdaten entwickelten pädiatrische AD-Patienten unter Dupilumab seltener Asthma oder allergische Rhinitis als unter konventionellen systemischen Immunmodulatoren. Beim Asthma war der Unterschied bei jüngeren Kindern besonders ausgeprägt, bei der allergischen Rhinitis dagegen bei älteren.(6)

Auch Schlafstörungen, Infektionen, Angst und ADHS seltener

Eine weitere Kohortenstudie mit 7.150 Kindern und Jugendlichen zeigte unter Dupilumab ein um 28% geringeres Asthmarisiko und ein um 38% geringeres Risiko für allergische Rhinitis als unter konventionellen Systemtherapien wie Azathioprin, Ciclosporin, Methotrexat, Mycophenolat oder systemischen Kortikosteroiden. Bei Nahrungsmittelallergien fand sich kein signifikanter Unterschied. Zudem traten Schlafstörungen um 40%, Haut- und Weichteilinfektionen um 30%, Angststörungen um 43% und ADHS um 46% seltener auf.(7) Die Unterschiede waren bei Null- bis Fünfjährigen besonders ausgeprägt. Als Beobachtungsdaten belegen beide Studien allerdings keinen kausalen Effekt.

Aufholendes Wachstum unter Dupilumab

Auch beim Wachstum gibt es interessante Signale: In einer Post-hoc-Analyse bei Sechs- bis Elfjährigen verbesserten sich nach 16 Wochen unter Dupilumab 31% der Kinder mit einer Ausgangsgröße unter der 25. Perzentile um mindestens fünf Größenperzentilen, gegenüber 12% unter Placebo.(8) Eichenfields Botschaft: Schwere AD kann das Wachstum beeinträchtigen; eine erfolgreiche Behandlung könnte ein Aufholen ermöglichen.

Lebrikizumab und Nemolizumab: Daten für jüngere Kinder

Auch zu Lebrikizumab und Nemolizumab gibt es neue Daten. In der Studie ADorable-1 wurden 363 Kinder und Jugendliche mit mittelschwerer bis schwerer AD im Alter von sechs Monaten bis unter 18 Jahren untersucht. Unter Lebrikizumab plus topischen Kortikosteroiden erreichten nach 16 Wochen 43,5% eine erscheinungsfreie oder fast erscheinungsfreie Haut, gegenüber 15,2% unter Placebo plus topischen Kortikosteroiden. Ein EASI-75 erreichten 62,6% versus 21,6%. Eine Konjunktivitis trat bei 7,3% unter Lebrikizumab und bei 5,1% unter Placebo auf.

Nemolizumab wurde in einer offenen Phase-II-Studie bei Zwei- bis Elfjährigen untersucht. Einen Placeboarm gab es nicht. Mit angepasster, gewichtsabhängiger Dosierung zeigten sich gute EASI-90- und Juckreizantworten unter begleitender Behandlung mit topischen Kortikosteroiden. Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Asthma wurde allerdings als unerwünschtes Ereignis von besonderem Interesse bei 5,4% beziehungsweise 2,8% der Kinder in zwei Kohorten erfasst.(9)

Biologika ausschleichen: kein Medikament für immer

Wie und wann lassen sich Biologika bei Kindern wieder absetzen? Entscheidend sei die Kommunikation, betonte Eichenfield: Familien sollten wissen, dass das Medikament nicht zwingend eine Dauertherapie sein muss. Eine anhaltend erscheinungsfreie oder fast erscheinungsfreie Haut nach längerer Behandlung sei ein guter Ausgangspunkt für einen Absetzversuch.

Eichenfield spricht das Thema gezielt bei Jahres- und Halbjahresterminen an und fragt, was kurz vor der jeweils nächsten Injektion passiert. Sein allgemeines Vorgehen: die Abstände schrittweise verlängern. Vorab sollte mit der Familie geklärt werden, wo man hinwill: Ist eine kleine betroffene Fläche mit topischer Behandlung akzeptabel, oder soll im Zweifel wieder eine Systemtherapie folgen?

Prävention: Pflegecreme als wichtige Ergänzung

Neben der Arzneimitteltherapie haben Ärzte sowie Eltern weitere Möglichkeiten. Die randomisierte CASCADE-Studie untersuchte 1.247 Säuglinge aus vier US-Bundesstaaten, bewusst in einer allgemeinen, nicht risikoselektierten Population. Die Interventionsgruppe begann innerhalb der ersten acht Lebenswochen mit einer täglichen Ganzkörperpflege und führte diese über 24 Monate fort.(11)

Nach zwei Jahren lag die AD-Inzidenz bei 36,1% gegenüber 43,0% in der Kontrollgruppe, eine relative Risikoreduktion von 16%.(11) Der Effekt war jedoch nicht in allen Gruppen gleich: Bei Säuglingen ohne familiäre Atopieanamnese sank das AD-Risiko um 28% (RR 0,72), bei familiärer Vorbelastung nur um 7% (RR 0,93). Ein Hund im Haushalt verstärkte den protektiven Effekt signifikant (RR 0,68). Eichenfields Deutung: Pflegecremes wirken vor allem gegen umweltbedingte Barriereschäden, während bei familiär belasteten Kindern eher genetische und immunologische Faktoren den Ausschlag geben.

Quellen

(1) Davis DMR, Alikhan A, Bercovitch L, et al. Guidelines of care for the management of atopic dermatitis in pediatric patients. J Am Acad Dermatol. 2026;95(1):121.e1–121.e26. doi:10.1016/j.jaad.2026.02.113.

(2) Eichenfield LF, Stein Gold L, et al. Ruxolitinib cream in children aged 2–11 years with atopic dermatitis (TRuE-AD3). J Am Acad Dermatol. 2025;93(3):689–698.

(3) Incyte. Opzelura (ruxolitinib) cream becomes first steroid-free topical JAK inhibitor approved in the European Union for adults with moderate atopic dermatitis. Pressemitteilung, 29.07.2026.

(4) Eichenfield LF, et al. Roflumilast cream 0.05% in children aged 2–5 years with atopic dermatitis. Pediatr Dermatol. 2025;42:296 ff.; Eichenfield LF, Gonzalez ME, Boguniewicz M, et al. Long-Term Safety and Efficacy of Once-Daily and Proactive Twice-Weekly Roflumilast Cream 0.05% for Mild-to-Moderate Atopic Dermatitis in Children Aged 2–5 Years From a 52-Week, Phase 3 Trial (INTEGUMENT-OLE). Pediatr Dermatol. 2026;43(3):642–649. doi:10.1111/pde.70177.

(5) Eichenfield LF, et al. Roflumilast cream 0.05% in infants aged 3 to <24 months with atopic dermatitis (INTEGUMENT-INFANT). Late-Breaker, AAD Annual Meeting 2026.

(6) Lin TL, Fan YH, Fan KS, et al. Reduced atopic march risk in pediatric atopic dermatitis patients prescribed dupilumab versus conventional immunomodulatory therapy: A population-based cohort study. J Am Acad Dermatol. 2024;91(3):466–473. doi:10.1016/j.jaad.2024.05.029.

(7) Tsai SYC, Gaffin JM, Hawryluk EB, et al. Evaluation of dupilumab on the disease burden in children and adolescents with atopic dermatitis: a population-based cohort study. Allergy. 2024;79(10):2748–2758. doi:10.1111/all.16265.

(8) Irvine AD, et al. Growth effects of dupilumab in children aged 6–11 years with atopic dermatitis. EADV Congress 2024; D2T01.4D.

(9) Eichenfield LF, Stein Gold L, et al. Nemolizumab in children aged 2–11 years with moderate-to-severe atopic dermatitis: phase 2 pharmacokinetics, safety and efficacy. Late-Breaker, AAD Annual Meeting 2026.

(10) Silverberg JI, Eichenfield LF, et al. The 487-gene expression profile test guides systemic therapy selection to improve outcomes for patients with atopic dermatitis: Results from a prospective trial. J Am Acad Dermatol. 2026. doi:10.1016/j.jaad.2026.02.034.

(11) Simpson EL, et al. Emollients to prevent pediatric eczema: the CASCADE randomized clinical trial. JAMA Dermatol. 2025;161(9):957–965. doi:10.1001/jamadermatol.2025.2357.