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Neurologische Erkrankungen stehen inzwischen an der Spitze der globalen Krankheitslast. Die Eröffnung greift diese Entwicklung auf und fragt, wie sich das Gehirn über die gesamte Lebensspanne schützen lässt: durch Kontrolle vaskulärer Risikofaktoren, Bewegung, Schlaf und soziale Teilhabe. Neben Fachleuten aus der Neurologie diskutieren Gäste aus dem öffentlichen Leben, welche Rolle Hirngesundheit künftig in der Gesundheitspolitik spielen sollte.
Der Schlaganfall als rein lokales zerebrales Ereignis – dieses Bild gilt als überholt. Drei Vorträge zeigen, warum:
Der Kongress schließt mit dem Thema künstliche Intelligenz: Wo unterstützt sie heute schon den Klinikbetrieb, welche Lösungen kommen aus akademischen Ausgründungen, und wo verlaufen die ethischen Grenzen? Im Rahmen der Sitzung wird zudem der mit 50.000 Euro dotierte NeuroTech-Innovationspreis vergeben.
Passend zum Motto “Vaskuläre Neurologie – Innovation, Präzision, Prävention“ zieht sich eine eigene Reihe von elf Schlaganfall-Symposien durch die Kongresstage. Viele davon entstehen gemeinsam mit Neuroradiologie, Neurochirurgie, Kardiologie, Rehabilitationsmedizin, Hämostaseologie, Rheumatologie und Pathologie; mehrere sind in Kooperation mit EAN, AAN, WFN und der European Stroke Organisation (ESO) englischsprachig angelegt.
Ergänzend lohnt ein Blick auf Blutbiomarker beim Schlaganfall: experimentelle Ansätze und klinische Perspektiven (Fr., 14:00 Uhr) sowie das Symposium Neurologie trifft Unternehmen (Fr., 08:30 Uhr), in dem Prof. Dr. Daniela Berg und Prof. Dr. Götz Thomalla die Zusammenarbeit von Akademie, Medizintechnik und Pharmaindustrie entlang der Schlaganfallkette zur Diskussion stellen.
In der Mittagspause fassen ausgewiesene Fachleute den aktuellen Kenntnisstand ihres Gebiets in einer Stunde zusammen:
Ein Abschied mit Ansage: Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Essen, präsentiert zum letzten Mal seinen 90-minütigen Parforceritt durch die relevantesten neurologischen Studien des vergangenen Jahres – inklusive Einordnung, was sich daraus für die Behandlung ändert. Für viele Stammgäste des Kongresses dürfte diese Sitzung ein Pflichttermin sein.
Die Translational Neuroscience Prize Lecture hält in diesem Jahr Prof. Dr. Maiken Nedergaard, Rochester/Kopenhagen, deren Arbeiten zum glymphatischen System die Sicht auf die Clearance von Stoffwechselprodukten im Gehirn grundlegend verändert haben. Ihr Vortrag „The Glymphatic System – Clinical Relevance“ schlägt die Brücke zu Neurodegeneration und Demenz.
Wer Pro-und-Kontra-Formate schätzt, findet in diesem Jahr gleich mehrere Gelegenheiten, aktuelle Streitfragen zu verfolgen.
Drei therapeutische Fragen stehen zur Debatte: Ist ein breiterer Einsatz von PCSK9-Inhibitoren gerechtfertigt? Wann sollte nach intrazerebraler Blutung bei Vorhofflimmern wieder oral antikoaguliert werden? Und welchen Stellenwert hat ASS bei klinisch stummen vaskulären Läsionen?
Hier werden neue Publikationen zur Thrombektomie bei mittelgroßen und distalen Gefäßverschlüssen, zur Revaskularisation asymptomatischer Karotisstenosen und zu Faktor-XIa-Inhibitoren in der Sekundärprävention gegeneinander abgewogen. Den Vorsitz beider Arenen teilen sich PD Dr. Bastian Cheng und Dr. Ines Sophie Schädlich, Hamburg.
Die DGN-Fortbildungsakademie unter Leitung von PD Dr. Christiana Franke, Berlin, und Prof. Dr. Gereon R. Fink, Köln, bietet 29 Kurse – vom Schlaganfall über Notfallmedizin und Neuroimmunologie bis zu Geriatrie, Neuroonkologie und Kinderwunsch bei neurologischen Erkrankungen. Die Kurse sind für alle Kongressteilnehmenden ohne Zusatzanmeldung zugänglich und werden mit Ausnahme der Videoforen aufgezeichnet.
In je 90 Minuten bündeln die Übersichtsvorträge praxisrelevantes Wissen, unter anderem:
Die dreiteiligen Therapiekurse (Mi. bis Fr., jeweils 11:00 Uhr) liefern kompakte Updates zu zentralen Indikationen. „Der lehrreiche Fall“ (Do. und Fr., jeweils 16:30 Uhr) entwickelt Diagnose und Therapie schrittweise gemeinsam mit dem Publikum.
Drei Formate feiern 2026 Premiere. Gemeinsam ist ihnen, dass das Publikum selbst entscheidet, rätselt oder unter Zeitdruck handelt.
Case Challenges, Quizrunden und spielerische Sessions vermitteln evidenzbasierte Inhalte mit direktem Feedback auf die eigenen Antworten.
Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Luisa Klotz, Münster, und Prof. Dr. Tim Magnus, Hamburg, werden schwierige oder strittige Fälle aus der Praxis nicht nur vorgestellt, sondern mit dem Plenum durchgespielt – einschließlich der Entscheidungswege, die nicht gewählt wurden.
In Teams übernehmen die Teilnehmenden die Rolle einer Stroke Unit und haben 15 Minuten Zeit, mit unvollständigen Informationen die richtigen Akutentscheidungen zu treffen. Eine evidenzbasierte Auflösung folgt im Anschluss; das Siegerteam erhält eine kostenfreie Registrierung für den Kongress 2027. Das Format findet nur vor Ort statt und erfordert eine Voranmeldung.
Die neuropathologische Jahrestagung unter der Leitung von Prof. Dr. Till Acker und Prof. Dr. Christian Mawrin setzt Schwerpunkte bei molekularer Tumorklassifikation, Methylierungsdiagnostik und KI-gestützter Analyse. Sitzungen wie Next Generation Neuropathology (Fr., 11:00 Uhr), Neuroinflammation (Fr., 16:30 Uhr) und Junge Neuropathologie (Sa., 08:30 Uhr) sind auch für klinisch tätige Neurologen ergiebig.
Wer nicht nach Berlin reist, kann nahezu das gesamte wissenschaftliche Programm im Livestream verfolgen; ausgenommen sind unter anderem Workshops, Skills Labs und Versammlungen. Die Aufzeichnungen bleiben bis kurz vor dem Kongress 2027 abrufbar. Die Präsenzgebühr schließt den Online-Zugang ein.
Das vollständige und tagesaktuelle Programm finden Sie hier.