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Prof. Dr. Müller Wieland über die Reduce-IT-Studie

Die Reduktion des kardiovaskulären Risikos ist ein Lebensthema von Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland. Er kommentiert die Ergebnisse der REDUCE-IT-Studie.

Durchbruch bei Senkung des kardiovaskulären Risikos

REDUCE-IT-Studie mit hochsignifikantem Ergebnis

Selbst bei gut eingestellten Hochrisiko-Patienten bleibt in den nächsten Jahren nach einem kardiovaskulären Ereignis das Risiko für Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder arterielle Verschlusskrankheiten weiter stark erhöht. 30 bis 50 Prozent von ihnen erleben innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre eine klinische Komplikation.

"Insofern finden wir diese Daten sehr, sehr faszinierend, weil das zum ersten Mal der Nachweis ist, dass mit einer bestimmten Präparation hochgereinigter Eicosapentaensäure das kardiovaskuläre Risiko wirklich de facto gesenkt werden konnte."

Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland, Uniklinik Aachen

  

esanum: Was bedeuten die neuen Daten für die Praxis?

Müller-Wieland: Beobachtungsstudien hatten zuvor schon den Hinweis gegeben, dass die gereinigte Form von Icosapenth-Ethyl einen kardiovaskulären Benefit hat. Mit der REDUCE-IT-Studie liegen nun harte Evidenzen vor. Eicosapentaensäure ist damit zugelassen bei Patienten mit vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung. Indikation ist eine zusätzliche Reduktion des Koronarrisikos.

esanum: Welche Patienten profitieren von der REDUCE-IT-Studie?

Müller-Wieland: Alle Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko, die schon kardiovaskuläre Ereignisse erlebt haben und die bei den klassischen Risikofaktoren gut eingestellt sind (LDL-Cholesterin) und mit gegebenenfalls entsprechender Diabetestherapie.

esanum: Was wird aktuell erforscht?

Müller-Wieland: Man kennt jetzt die Wirkung der Eicosapentaensäure. Die Frage ist aber: Warum wirkt sie? Wie sind die Wirkmechanismen? Das wird aktuell geforscht. In der Diskussion sind gewisse antiinflammatorische Effekte. Aktuell wird genauer betrachtet, ob durch den Wirkstoff die Zellen in der Gefäßwand modifiziert und moduliert werden, sodass es zu einem geringeren Risiko für ein Wachstum oder die Ruption des arteriosklerotischen Plaques kommt. Das würde den Benefit natürlich weiter erhöhen.

Quelle:
Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland, DGIM-Kongress 2022