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Fruquintinib beim refraktären Kolonkarzinom (mCRC): Gepoolte Analyse zeigt gut beherrschbares Sicherheitsprofil

Die Behandlung von Patienten mit mCRC erfordert therapeutisches Geschick, denn die kumulative Toxizitätslast vorheriger Therapielinien kann die Therapieadhärenz negativ beeinflussen.

Fallstricke bei der Behandlung vortherapierter mCRC-Patienten

Der hochselektive VEGFR-Inhibitor Fruquintinib verfügt über eine Zulassung zur Behandlung des refraktären metastasierten kolorektalen Karzinoms (mCRC). In diesem Patientenkollektiv ist eine hohe kumulative Toxizitätslast aufgrund vorheriger Therapielinien keine Seltenheit. Ein vertieftes Verständnis klinisch relevanter Sicherheitsaspekte ist die Grundvoraussetzung zur Reduktion von Therapieabbrüchen unter Fruquintinib.1

Gepoolte Analyse zur Sicherheit und Verträglichkeit von Fruquintinib bei mCRC

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Stefan Kasper-Virchow befasste sich mit der Sicherheit und Verträglichkeit von  Fruquintinib bei bereits vortherapierten mCRC-Patienten. Zu ihren Ergebnissen kam die Forschungsgruppe mittels gepoolter Analyse von insgesamt 3 placebokontrollierten Studien, darunter FRESCO und FRESCO-2. Auf dem Takeda-Satellitensymposium der diesjährigen DGHO-Jahrestagung wurden diese neuen Forschungsergebnisse vorgestellt.1

Fruquintinib + BSC überzeugt gegenüber Placebo + BSC beim mCRC

Fruquintinib plus Best Supportive Care (BSC) verlängerte das mediane Gesamtüberleben gegenüber Placebo plus BSC signifikant (9,3 vs. 6,6 Monate bzw. 7,4 vs. 4,8 Monate). Zu diesen Ergebnissen kamen Kasper-Virchow S. et al. nach gepoolter Analyse der FRESCO (n = 416), FRESCO-2 (n = 691) und der Phase-2-Studie NCT02196688 (n = 71). Die Patientencharakteristika waren zu Studienbeginn unter Fruquintinib und Placebo im Allgemeinen vergleichbar gewesen.1

Stark vorbehandelte Kohorte und hohe RAS-Mutationsrate

Die Patienten waren 2:1 auf Fruquintinib 5 mg einmal täglich (drei Wochen Einnahme, eine Woche Pause) oder Placebo randomisiert worden - jeweils plus BSC. Die gepoolte Sicherheitspopulation umfasste 781 Patienten unter Fruquintinib und 391 unter Placebo. Die Kohorte war stark vorbehandelt: Im Median vier vorherige Therapielinien - bei rund 62 % sogar mehr als drei. Bei etwa der Hälfte lag eine RAS-Mutation vor. Untersucht wurden zehn vordefinierte Kategorien von Nebenwirkungen von besonderem Interesse (AESIs), die für die Klasse der VEGFR-Tyrosinkinase-Inhibitoren typisch sind.1

Häufigste Nebenwirkungs-Kategorie unter Fruquintinib: Hypertonie, Hauttoxizität und Leberfunktionsstörung

Jegliches AESI trat bei 86,7 % der Patienten unter Fruquintinib und 58,3 % unter Placebo auf. Am häufigsten waren Hypertonie, dermatologische Toxizität - hier vor allem das palmar-plantare Erythrodysästhesie-Syndrom - sowie Leberfunktionsstörungen. Es folgten Schilddrüsenfunktionsstörungen, Proteinurie, Blutungen und Infektionen. Embolische und thrombotische Ereignisse sowie gastrointestinale Perforationen blieben selten.1

Auftreten und Abklingen von Nebenwirkungen unter Fruquintinib innerhalb der ersten 8 Wochen nach Therapiebeginn

Die mediane Zeit bis zum Abklingen der unter der Behandlung aufgetretenen AESIs war in den einzelnen Kategorien unter Fruquintinib und Placebo im Allgemeinen vergleichbar. Hypertonie trat im Median nach rund zwei Wochen auf, dermatologische Toxizität nach etwa drei Wochen. Deutlich später konnten sich Schilddrüsenstörungen (nach rund 8 Wochen) zeigen. Die mediane Zeit bis zum Abklingen lag je nach Kategorie bei etwa 2-5 Wochen und war unter Fruquintinib und Placebo ähnlich.1

Therapieabbrüche waren unter Fruquintinib selten

Die mediane relative Dosisintensität betrug 95,9 % unter Fruquintinib. AESIs führten bei 15,9 % zu einer Dosisreduktion und bei 23,8 % zu einer Unterbrechung, jedoch nur bei 8,8 % zum Therapieabbruch. Tödliche AESIs traten bei 2,2 % vs. 1,3 % auf, behandlungsbedingt waren davon 0,8 % bzw. 0,3 % - verglichen mit der Placebogruppe. Neue Sicherheitssignale fanden sich nicht.1

Fazit für die Praxis

  • Das Sicherheitsprofil von Fruquintinib entspricht den Einzelstudien.
  • Die Nebenwirkungen von besonderem Interesse sind überwiegend niedriggradig und mit Dosisanpassung und supportiven Maßnahmen beherrschbar.
  • Die meisten Patienten unter Fruquintinib behielten die 5-mg-Dosis bei, nur bei einer Minderheit führten AESIs zum Therapieabbruch.
  • Der klinische Nutzen von Fruquintinib bei mCRC erfordert ein vertieftes Verständnis klinisch relevanter Sicherheitsaspekte.
  • Blutdruck und Haut verdienen in den ersten Wochen besondere Aufmerksamkeit, da Hypertonie und PPE früh auftreten können.
  • Schilddrüsenstörungen zeigen sich oft erst nach rund zwei Monaten.
  • Leberwerte, Urinprotein und Schilddrüsenfunktion sollten im Verlauf kontrolliert werden.
  • Dosisunterbrechung und -reduktion ermöglichen es den meisten Patienten, die Therapie fortzuführen.
  • Therapieabbrüche wegen AESIs sind selten.
  • Insgesamt stützen diese Daten Fruquintinib als gut verträgliche Behandlungsoption bei refraktärem metastasiertem Kolorektalkarzinom.
    Quellen
    1. Kasper-Virchow, Stefan, Prof. Dr. med, Sicherheit und Verträglichkeit von Fruquintinib: Gepoolte Analyse von drei placebokontrollierten Studien bei Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom. Takeda-Satellitensymposium, DGHO-Jahrestagung 2026, Wien, 10.10.2026, 16:30 Uhr.