- Dermatologie kompakt + praxisnah (KoPra), 26. – 28. Februar 2026, Congress Center Leipzig. Sitzung: Dermatologie im Dialog – better together. 27. Februar 2026. https://www.derma-tagungen.de/
Die Phototherapie ist die „längste und traditionsreichste“ Behandlungsmethode, die Dermatologen zur Verfügung stehe, erinnerte Tsianakas, Leiter der Fachklinik Dermatologie in Bad Bentheim. Es handele sich um eine sehr vielfältige Therapie. Am wichtigsten sei sicherlich die UVB 311 nm Schmalspektrum. Die Wirksamkeit der Phototherapie lasse sich deutlich steigern durch eine Kombination mit der Badetherapie, der sogenannten Balneophototherapie.
Ambulante, synchrone Photosole-Geräte ermöglichen eine anwenderfreundliche Durchführung. Die Balneophototherapie werde mit bis zu 50 Euro pro Sitzung bei gesetzlich Versicherten fair vergütet. Tsianakas zeigte Patientenbilder, in denen durch die Balneophototherapie bereits nach sechs Wochen ein PASI 100 erreicht werden konnte. Studien aus Deutschland (doi: 10.1001/archderm.143.5.586) zeigen einen PASI 75 bei 73-83 % der Patienten nach sechs Wochen und PASI 100 bei 38-50 % der Patienten. In internationalen Studien (doi: 10.1007/s40257-013-0015-y) liegen die Abklingraten der Psoriasis unter Phototherapie bei 68 %.
Tsianakas betonte, dass sich die Schlüsselzytokine der Psoriasis – IL-17, IL-23, TNF-alpha – natürlich alle einzeln wunderbar mit Antikörpern oder Inhibitoren blockieren ließen. Mit dem UVB Schmalspektrum sei es hingegen möglich, sämtliche wichtigen Zytokine in der Immunpathogenese der Psoriasis gleichzeitig zu blockieren. „Mit dem Schmalspektrum gelingt es, die proinflammatorischen Zytokine zu reduzieren“, erklärte Tsianakas.
Er erinnerte auch daran, dass das Prozedere auf 20 bis 30 Anwendungen begrenzt ist. „Der Effekt hält über Monate, manchmal über Jahre an. Man muss nicht durchgehend therapieren.“ Das liege daran, dass die inflammatorischen T-Zellen durch die Therapie verschwinden. Die Phototherapie gewährleistet die Immunkontrolle in der Haut; T-Zellen werden unter der Therapie massiv hochreguliert und können den Therapieeffekt über einen längeren Zeitraum halten. Über Phototherapie lassen sich auch die Juckreiz auslösenden Zytokine gut herunterregulieren. In einer Studie aus 2018 (doi: 10.1161/CIRCIMAGING.117.007394) konnte gezeigt werden, dass Phototherapie CRP und IL-6 sowie die vaskuläre Inflammation reduziert und HDL hochreguliert.
Die Phototherapie kommt infrage, wenn:
Im Gegensatz zu den US-Leitlinien werde die Phototherapie in deutschen Leitlinien eher am Rande erwähnt, kritisierte Tsianakas. International stelle man die Phototherapie selbstbewusst neben die Systemtherapie, in Deutschland hingegen nicht. Dabei weise die Phototherapie eine exzellente Wirksamkeit mit zielgerichteter Wirkweise auf. Sie sei flexibel (individuell anpassbar, wiederholter Einsatz) und gut kombinierbar (Systemtherapie einschließlich Biologika, Lokaltherapie). Phototherapie kann in der Schwangerschaft eingesetzt werden und bei Schüben unter Systemtherapie. „Sie ist keine Konkurrenz zur Systemtherapie, sondern eine sinnvolle Ergänzung“, betonte Tsianakas.
Das Hauptproblem der Phototherapie sieht Schenck in den logistischen Herausforderungen für den Patienten. „Stellen wir uns vor, wir litten an einer mittelschweren Psoriasis und müssten zwei- bis dreimal in der Woche zur Phototherapie gehen – das ist eine Herausforderung bei Berufstätigkeit.“ Der Punkt dürfe nicht unterschätzt werden. Im klinischen Setting sei die Anwendung kein Problem, im ambulanten Setting hingegen schon. Schenck wies auch darauf hin, dass die Psoralen-plus-UVA-Therapie (PUVA) zwar gut vergütet werde, inzwischen aber wieder Teil des Budgets sei. Das bedeutet: Wer häufig die PUVA-Therapie einsetze, sei mit seinem Budget schnell am Ende. Der Kostenvorteil sei dann zügig wieder aufgebraucht.
Schenck erinnerte daran, dass die Phototherapie aus den Leitlinien nicht verschwunden ist, sondern mit dem Vermerk „in geeigneten Behandlungssituationen“ versehen wurde. Im Appendix A der Leitlinie würden die Ansprechraten bei der Phototherapie aufgelistet. Hier steht auch: „Wegen der geringen Praktikabilität und der Assoziation langfristiger unerwünschter Wirkungen mit der kumulativen UV-Dosis kann die Phototherapie nicht für Langzeitbehandlungen empfohlen werden.“
Laut Leitlinie ist PASI 75 das Minimalziel. Anzustreben ist ein PASI 90, da komme die Phototherapie nur schwer heran, so Schenck. Bei Hochdosis-PUVA (>350 Behandlungen) ist die Inzidenz für die Entwicklung von Plattenepithelkarziomen (SCC-Inzidenz) erhöht, ab ca. 150 bis 200 kumulativen PUVA-Behandlungen steigt das Risiko signifikant. Das Risiko für die Entwicklung eines
Basalzellkarzinoms (BCC) ist ebenfalls vergrößert, aber es besteht eine geringere Dosis-Korrelation als beim SCC. Ein Tumor entsteht oft erst 15 bis 25 Jahre nach der Exposition.
Schenck gab auch einen Ausblick auf die Innovationen 2026:
„Die Phototherapie ist 2026 aufgrund der überlegenen Wirksamkeit und Praktikabilität moderner Systemtherapien nur noch eine ergänzende Option", schloss Schenck.