ASCO 2026: ADC in der Brustkrebstherapie Logo of esanum https://www.esanum.de

Welche Bedeutung haben ADC in der Brustkrebstherapie?

Antikörper-Wirkstoff-Konjugate bieten bei metastasiertem triple-negativem und HER2-positivem Brustkrebs klare Vorteile gegenüber der Chemotherapie. Was die neuen Studien für Leitlinien und Therapieentscheidungen bedeuten.

Was gilt beim triple-negativen Brustkrebs?

Gradishar hob die wachsende Bedeutung der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) hervor und berichtete von neuen endokrinen Ansätzen sowie zielgerichteten Kombinationen. ADC, so Gradishar, hätten die Therapie in mehreren Brustkrebs-Subtypen verändert. Das betrifft vor allem das triple-negative und das HER2-positive Mammakarzinom. Ärzte können heute zwischen mehreren wirksamen ADC wählen und dabei Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Vortherapien und Krankheitsbiologie berücksichtigen, betonte Gradishar.

Beim metastasierten triple-negativen Brustkrebs hob Gradishar drei Studien hervor. Zwei davon betreffen Patientinnen, die nicht für eine Immuntherapie infrage kommen, die dritte richtet sich an Personen, die für eine Immuntherapie geeignet sind. Die Daten zeigen, dass ADC deutliche Vorteile gegenüber der klassischen Chemotherapie bieten.

In der ASCENT-03-Studie wurde Sacituzumab Govitecan gegen Chemotherapie bei Patientinnen mit metastasiertem triple-negativem Brustkrebs untersucht, die keine Kandidatinnen für eine PD-L1-basierte Immuntherapie waren.1 Patientinnen aus dem Chemotherapie-Arm konnten später auf Sacituzumab Govitecan wechseln. Trotz dieses Crossovers zeigte sich ein klarer Vorteil für ADC. Unter Sacituzumab Govitecan waren das Progressionsrisiko reduziert sowie das progressionsfreie Überleben verlängert (von sechs auf neun Monate).

Der Vorteil zeigte sich in nahezu allen untersuchten Subgruppen und galt unabhängig von Alter, Allgemeinzustand, Krankheitsstatus, Art der Chemotherapie oder geografischer Region. Weitere Analysen zeigten zudem Vorteile unabhängig von der Trop-2-Expression, dem BRCA-Status und dem HER2-Status. Damit stützt die Studie die breite klinische Einsetzbarkeit von Sacituzumab Govitecan.

Datopotamab Deruxtecan in der TROPION-Breast02-Studie

In der TROPION-Breast02-Studie wurde das ADC Datopotamab Deruxtecan mit einer vom Arzt gewählten Chemotherapie verglichen.2 Als primäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben definiert. Das progressionsfreie Überleben stieg von fünf auf zehn Monate, das Gesamtüberleben stieg von 18 auf 23 Monate. Bei den Respondern lag die Dauer des Ansprechens mit mehr als einem Jahr deutlich über der Länge des Ansprechens unter Chemotherapie. Der Vorteil zeigte sich ebenfalls über alle Subgruppen hinweg.

In die ASCENT-04-Studie waren zuvor unbehandelte Personen mit metastasiertem triple-negativem Brustkrebs eingeschlossen; sie erhielten entweder Sacituzumab Govitecan plus Pembrolizumab oder Chemotherapie plus Pembrolizumab.3 Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben. Unter ADC plus Immuntherapie ließ sich das Progressionsrisiko um etwa 35 Prozent verringern, das mediane progressionsfreie Überleben verbesserte sich von knapp acht auf elf Monate.

Welche Rolle spielen ADC beim HER2-positiver Brustkrebs?

In DESTINY-Breast05 wurden Patientinnen mit residualer Erkrankung nach neoadjuvanter Behandlung untersucht.4 Verglichen wurde Trastuzumab Deruxtecan mit T-DM1, das bislang als Standard galt. Die eingeschlossenen Studienteilnehmer hatten eine hohe Krankheitslast mit großen Tumoren und vielen befallenen Lymphknoten. Die Ergebnisse zeigten einen klaren Vorteil für Trastuzumab Deruxtecan. Das krankheitsfreie Überleben verbesserte sich um etwa neun Prozent, was einer Reduktion der Ereignisse um rund 50 Prozent entspricht.

In der DESTINY-Breast11-Studie führte neoadjuvantes T-DXd bzw. dosisdichtes Doxorubicin plus Cyclophosphamid, jeweils gefolgt von Paclitaxel, Trastuzumab plus Pertuzumab (THP), bei 67,3 Prozent bzw. 56,3 Prozent der bislang unbehandelten Patientinnen zu einer kompletten Remission.5 Das ist ein bemerkenswert hoher Wert, insbesondere auch bei hormonrezeptornegativen und hormonrezeptorpositiven Tumoren, betonte Gradishar.

Metastasiertes HER2-positives Mammakarzinom

In der Studie DESTINY-Breast09 wurde Trastuzumab Deruxtecan im metastasierten Setting untersucht.6 Verglichen wurde ein Arm mit Trastuzumab Deruxtecan plus Placebo mit einem Arm mit Trastuzumab, Pertuzumab und Taxan. Die Studie zeigte eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens von 26 auf 40 Monate. Auch die Ansprechrate stieg, und die Rate kompletter Remissionen verdoppelte sich nahezu von 8,5 auf 15 Prozent. Gradishar wies darauf hin, dass nicht nur eine komplette Remission zähle, sondern auch die Tiefe einer partiellen Remission. Diese war mit einer längeren Ansprechdauer verbunden als eine gewöhnliche partielle Remission. Das unterstreicht, dass die Dynamik des Ansprechens ein wichtiger Marker für den Therapieerfolg ist.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die vorgestellten Daten zeigen, dass ADC inzwischen fest in den Leitlinien verankert sind. Für das triple-negative Mammakarzinom stehen mit Sacituzumab Govitecan und Datopotamab Deruxtecan zwei wichtige Optionen zur Verfügung, ergänzt durch die Kombinationen mit Pembrolizumab. Beim HER2-positiven Brustkrebs hat sich Trastuzumab Deruxtecan sowohl im frühen als auch im metastasierten Stadium als hochwirksam erwiesen.

Für die klinische Entscheidung reicht es nicht, nur auf die Wirksamkeit zu schauen. Entscheidend sind auch Toxizität, Therapiesequenz, Vortherapien und die Frage, welches ADC zuerst eingesetzt werden sollte. ADC, so Gradishar, hätten die Brustkrebsbehandlung in allen Subtypen verändert. Dennoch müssten Fragen zur optimalen Kombination der ADC, zur Resistenzentwicklung und zur Sequenz in künftigen Studien beantwortet werden.

Quelle

ASCO Annual Meeting 2026. 29. Mai - 2. Juni 2026 | Online und Chicago, IL, USA. https://www.asco.org/annual-meeting. Session: Highlights of the Year: Breast Cancer. 1. Juni 2026

  1. https://www.annalsofoncology.org/article/S0923-7534(25)04800-8/fulltext
  2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41937088/
  3. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2508959
  4. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2514661
  5. https://www.annalsofoncology.org/article/S0923-7534%2825%2904968-3/fulltext
  6. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2508668